Ed Yardeni Porsche muss sich unterwerfen
SPIEGEL ONLINE:
In Deutschland sollen in Zukunft alle Index-notierten Unternehmen Quartalszahlen veröffentlichen. Zumindest ein Unternehmen, Porsche, sperrt sich. Haben Sie dafür Verständnis?
Ed Yardeni: Nein. Hier in den Vereinigten Staaten haben wir nicht nur Vierteljahresberichte. Die Börsenaufsicht SEC verlangt von den Unternehmen sogar, wichtige Neuigkeiten immer sofort zu veröffentlichen. Früher haben die Firmen solche Informationen nur mit den Analysten ausgetauscht, die über sie berichteten. Die SEC fand, das sei gegenüber den Privatanlegern nicht fair.
SPIEGEL ONLINE: Was müssen die Unternehmen jetzt machen?
Ed Yardeni: Sobald ein Unternehmen über wesentliche Neuigkeiten verfügt, muss es eine Pressemitteilung herausgeben oder in einer anderen Art und Weise die Öffentlichkeit informieren. Sobald etwas passiert, das die Erträge beeinflussen könnte, muss es ganz schnell mitgeteilt werden. Unternehmen dürfen solche Informationen nicht mehr nur einem ausgewählten Kreis von Analysten mitteilen.
SPIEGEL ONLINE: Wäre das ein Vorbild für die Deutsche Börse?
Ed Yardeni: Kapitalmärkte werden immer globaler, und Unternehmen werden zunehmend abhängig von globaler Finanzierung. Das bedeutet, dass wir auch globale Standards brauchen werden - und das werden die sein, die am besten für die Aktionäre sind. Ich denke also, dass in Europa und Asien genauso viele Informationen veröffentlicht werden müssen wie in den USA. Sonst werden Investoren sich aus den Märkten zurückziehen, wo sie nicht so viele Informationen erhalten wie hier.
SPIEGEL ONLINE: Heißt das, die US-Regeln sind die besten der Welt?
Ed Yardeni: Wir sind nicht perfekt. Unternehmen sind schon mit allen möglichen Bilanzierungstricks durchgekommen. Aber seien wir mal ehrlich: Firmen werden immer versuchen, ihre Geschäftszahlen so hübsch wie möglich aussehen zu lassen. Und es ist der Job der Börsenaufsicht, das so schwierig wie möglich zu machen, die Berichtsweise so einheitlich wie möglich zu halten.
SPIEGEL ONLINE: Was ist mit zu vielen Informationen - können die den Anleger verwirren?
Ed Yardeni: Wenn Sie Investoren mit Informationen zuschütten, kann das auch irreführend sein. Alle Neuigkeiten zu verkünden kann bedeuten, dass die wichtigsten Aspekte der Unternehmensleistung verdeckt werden. Zu viele Informationen können also kontraproduktiv sein.
SPIEGEL ONLINE: In Deutschland wird darüber debattiert, ob zu viele Zahlen nicht auch zu unsinnigen Kursausschlägen führen können. Teilen Sie diese Meinung?
Ed Yardeni: Es gibt auch in den USA Diskussionen darüber, ob unsere Regeln die Märkte weniger effizient machen. Viele große Fonds wollen nur in Firmen investieren, mit denen sie ein enges Verhältnis haben. Wenn sie ein dickes Aktienpaket eines Unternehmens halten, wollen sie nicht von Nachrichten überrascht werden. Vom Standpunkt der Fairness aus kann man nur sagen: Pech. Doch wer größere Risiken eingehen soll, möchte auch über mehr Informationen verfügen.
Das Interview führte Annegret Loges