Das verbleite Benzin gleicht einer mißlichen Plage: Keiner will es, und trotzdem ist es da. Nach Hessens Parlament, angestiftet durch die Grünen, faßte Hamburgs Senat letzte Woche einen Beschluß, über den Bundesrat die Abschaffung zu betreiben. Die SPD-Länder sind sich einig; Unions-Politiker wie Edmund Stoiber in Bayern und Werner Remmers in Niedersachsen sind ebenfalls dafür. Die Ölindustrie würde sich auch freuen, weil sie am bleifreien Normalbenzin mehr verdient und außerdem eine Zapfsäule an den Tankstellen sparen könnte. Die Bonner Regierung hat deshalb bereits vor Monaten die EG-Kommission gebeten, den Deutschen das Verbot von verbleitem Normalbenzin zu erlauben. Doch bisher kam aus Brüssel keine Antwort, und jetzt im August ist Urlaub in der Europa-Zentrale. Da ist es egal, daß Bleibenzin in Verdacht steht, das Supergift Dioxin zu erzeugen. Bislang ist die EG-Benzinrichtlinie wichtiger, die den freien Verkauf von Bleibenzin in Europa garantiert und ein Verbot verhindert, wie es in den Nicht-EG-Ländern Schweiz und Österreich bereits durchgesetzt wurde. Ein anderer Vorbehalt ist die soziale Komponente: Wer weiterhin Blei für sein Auto braucht, müßte nach einem Verbot Super tanken, was im Schnitt gut fünf Mark im Monat teurer wäre. Gegen den Heiermann und die Ferien in Brüssel, so scheint es, hat die Vernunft keine Chance.
Dieser Ausdruck wurde am 18.10.2026 erstellt und ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch lizenziert.
Andere Nutzungen verletzen das Urheberrecht
Andere Nutzungen verletzen das Urheberrecht
Zur Ausgabe
Artikel 31 / 89
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?