Eichels Werbefilm Ganz high vom Euro
Hamburg - "Er ist nicht mehr aufzuhalten", säuselt Götz George mit verklärtem Kifferblick und schaut den neben ihm auf einer Parkbank sitzenden Ingolf Lück erwartungsfroh an. "Sicher?", fragt Lück zweifelnd. "Sicher", erwidert George. "Ja und nun?", will Lück wissen. "Der Euro", George macht eine bedeutsame Pause, "ist ein Zeichen dafür, dass wir zusammengehören." - "Wir beide?", fragt Lück mürrisch. George: "Neee. Europa."
Plötzlich ein harter Schnitt, und Hans Eichel erscheint, um nochmals - diesmal aber mit viel Hall - die Botschaft zu verkünden: "Der Euro ist ein Zeichen dafür, dass wir zusammengehören." Wer jetzt der Pointe harrt, wird enttäuscht: Es folgt ein Abspann mit sphärischen E-Gitarren-Klängen und computeranimiertem Euro-Logo, dessen Produktionskosten eher im unteren Preissegment anzusiedeln sein dürften.
Werbung ohne Botschaft
Der neue Spot des Bundesfinanzministers soll zwei Monate vor der Einführung des Euro-Bargeldes - ja, was eigentlich? Das Finanzministerium sieht den Kurzfilm "als vertrauensbildende Maßnahme." Und präzisiert: "Für den Euro geht es dabei weniger um seine rein ökonomischen Vorteile." Genauer gesagt geht es darum in dem Spot überhaupt nicht.
Das inhaltsleere Stück, das wohl an die Komiker Laurel & Hardy erinnern soll, will das Thema "locker, mit leichtem Augenzwinkern und dennoch seriös" angehen, so das Eichel-Ministerium. Das ist gründlich misslungen. Denn dem angeblich auf die Zielgruppe der 15- bis 30-Jährigen zugeschnittenen Spot fehlt es nicht nur an Inhalten, sondern auch an Witz. Götz Georges Gesichtsausdruck bewegt sich irgendwo zwischen ergriffen und high, Ingolf Lück schaut die ganze Zeit grimmig, und Hans Eichels Auftritt ist - oh Wunder - völlig humorfrei.