Eigenhandel Fehlspekulationen belasten WestLB stärker als befürchtet
Düsseldorf - Das Düsseldorfer Institut rutschte nach einem positiven Konzernergebnis von 136 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum nun mit 170 Millionen Euro in die Verlustzone, wie aus dem heute veröffentlichten Halbjahresbericht der Bank hervorgeht.
Dieser Rückgang ist den Angaben zufolge auf hohe Verluste im Eigenhandel mit Stamm- und Vorzugsaktien verschiedener Unternehmen und auf die Maßnahmen zum weitgehenden Positionsabbau beziehungsweise zur Risikoreduzierung zurückzuführen. Die Gesamtbelastung daraus belaufe sich auf 604 Millionen Euro und sei bilanziell vollständig verarbeitet. Im Eigenhandel handelt die Bank mit Wertpapieren auf eigene Rechnung und damit auf eigenes Risiko.
Durch Erfolge in anderen Handelsbereichen sei der Verlust im Handelsergebnis jedoch insgesamt auf 309 Millionen Euro begrenzt worden, hieß es weiter.
Für das Gesamtjahr zeigte sich die Bank zuversichtlich: "Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass uns aus der Krise an den US-Immobilien- und Verbriefungsmärkten - soweit sie sich nicht drastisch verschärfen sollte - im zweiten Halbjahr 2007 keine größeren Ausfälle entstehen werden", wird der Finanzvorstand Hans-Jürgen Niehaus in dem Halbjahresbericht zitiert. Trotz der erheblichen Verluste aus den Eigenhandelspositionen werde man ein positives Jahresergebnis vor Steuern erreichen.
Die verlustreichen Fehlspekulationen hatten die Abberufung von Vorständen zur Folge.
Auch Staatsanwaltschaft und Bankenaufsicht haben inzwischen Ermittlungen gegen sieben amtierende und ehemalige Vorstände der WestLB, darunter Ex-Chef Thomas Fischer, aufgenommen. Auch ehemalige Händler der Bank sind ins Visier der Anklagebehörde geraten.
Das Land Nordrhein-Westfalen will sich von seinem rund 38-prozentigen Anteil an der WestLB trennen. Die Sparkassen als größter Eigner treten für ein Zusammengehen mit der Stuttgarter LBBW ein. Die Landesregierung tritt hier aber auf die Bremse und prüft auch andere Optionen. Der neue Bank-Chef Alexander Stuhlmann erklärte, die WestLB unterstütze alle Bemühungen der Eigentümer, "rasch eine langfristig tragfähige, gute Lösung zu finden".
mik/ddp/Reuters