USA Ein Klacks
Sie kaufen einfach alles«, sagt eine Verkaufsleiterin im New Yorker Kaufhaus »Bloomingdale's« von den neureichen Käufern aus Germany' »manchmal denkt man, sie wären noch einmal frisch ausgebombt.«
Vor allem Bettwäsche, Handtücher, Kosmetika, Sonnenbrillen und modischen Krimskrams hamstern sie bei Bloomingdale's. Auch Lederwaren und Pelze sind beliebt. Nur wissen amerikanische Verkäuferinnen inzwischen, daß sie beim Anpreisen von Herrenhandtaschen vorsichtig sein müssen, weil, so Verkäuferin Lisa Cuomo, »deutsche Männer doch so leicht in ihrer Virilität verletzt sind«.
Kamen sie bis vor kurzem noch vornehmlich, um Wolkenkratzer, Cowboys und den Grand Canyon anzustaunen, so wird jetzt immer deutlicher: Seit der Dollar zum »Mickymaus-Geld« ("Time") geschrumpft ist, kommen Deutsche zum Einkaufen in die USA, wohl informiert und ohne Angst vor hohen Preisen.
»Früher wollten sie immer nur wissen, wo es billige Schallplatten gibt«, sagt Herbert Hell, Verkaufsleiter der Lufthansa im Stadtbüro an der Fifth Avenue, »heute stürmen sie rein und fragen, wo Tiffany, Gucci, Yves Samt-Laurent, Bloomingdale's oder Jourdan sind -- und das »Studio 54« natürlich.« Zwar blättern Deutsche, »ohne mit der Wimper zu zucken, vier brandneue Hunderter für eine Handtasche hin«, so ein Verkäufer in einem Lederwarengeschäft am Broadway, doch auch gewiefte Einkäufer sind unter ihnen.
Sie wissen längst, daß zum »white sale« bei Bloomingdale's das Bettzeug preiswerter wird. Vielen ist es aber auch schon bekannt, daß dieselben Muster von denselben Herstellern zu einem Bruchteil des Preises in den Läden des ehemaligen jüdischen Gettos an der Lower East Side aufzutreiben sind.
In den Supermärkten fahnden deutsche Hausfrauen nach den namenlosen Produkten, die, in simple graue Kartons verpackt, sehr viel billiger sind als Markenprodukte in ihren bunten, glänzenden Hüllen.
Und je mehr der Dollar fällt, desto unternehmungslustiger werden die deutschen Touristen, weil der Trip in die USA immer mehr zum Katzen-Sprung wird. So für die beiden Aachener Autoverkäufer Hubert Barlage und Kurt Karberg. Am vorletzten Montag hatten sie bei einem Bierchen überlegt, daß man sich »dat da drüben jetzt wohl mal angucken sollte, wat et denn da so all jibt -- mit dem Dollar und so«.
Zehn Tage später saßen sie wiederum beim Bier zusammen -- diesmal im »Wienerwald« am New Yorker Times Square, wo deutschsprachig serviert wird. Obwohl sie hauptsächlich den Gebrauchtwagenmarkt auskundschaften wollen, werden sie auch tüchtig einkaufen: »Was Ausgefallenes, Preis spielt keine Rolle.«
Charles H. Seilheimer jr. vom Auktionshaus Sotheby Parke-Bernet, das neuerdings auch Immobilien vertreibt, stellt fest: »Es werden immer mehr Deutsche.« Sie gehören neben den Japanern inzwischen zu den am stärksten vertretenen ausländischen Kunden, wobei die Japaner eher Westküste und die Deutschen eher Ostküste aufkaufen.
Seilheimer fiel auf, daß sieh seine deutschen Kunden vornehmlich für ehrwürdige, repräsentative und dauerhafte Gebäude interessieren: »Die kaufen Häuser nicht so im Vorbeigehen wie wir Amerikaner. Sie denken in Generationen.
Und sie denken, ganz die reichen Onkel aus Europa, auch preislich inzwischen in anderen Kategorien als Amerikaner. Kürzlich flog Seilheimer per Hubschrauber mit einem deutschen Kunden über ausgedehnte Ländereien in Virginia, die für ungefähr zweieinhalb Millionen zu haben waren.
Er habe auch preiswertere Objekte, wart Seilheimer ein. Doch der Deutsche winkte ab. Wer an deutsche Grundstückspreise gewohnt sei, für den sei diese Summe »ein Klacks«.