Einkauf mit EC-Karte Heftige Proteste gegen Extragebühr
Berlin - Banken und Sparkassen wollen künftig für jede Zahlung per EC-Karte mit Unterschrift 35 Pfennig Gebühr erheben. Laut Plan muss die Bank des Einzelhändlers das Entgelt an die Bank des Karteninhabers zahlen. Offiziell wollen die Banken damit Defizite des "elektronischen Lastschriftverfahrens" in Höhe von 300 Millionen Mark ausgleichen.
Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) und der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) halten diese Zahlen jedoch für übertrieben. Die Begründung sei vorgeschoben, sagten Verbandssprecher am Montag. Was die Banken eigentlich wollten, sei die Umstellung auf EC-Cash, das Zahlen an der Ladenkasse mit Geheimnummer: Denn an dieser Transaktion verdienten sie 0,3 Promille des Verkaufsbetrages, mindestens 15 Pfennig.
Bisher zahlen die Deutschen am liebsten mit ihrem guten Namen: Von 700 Millionen Einkäufen mit EC-Karte wurden letztes Jahr 600 Millionen mit Unterschrift getätigt, und nur 100 Millionen mit Geheimnummer. Die scheinbare Unbeliebtheit der Zahlung mit Geheimnummer liegt nicht zuletzt daran, dass ein Großteil der Händler das EC-Cash-Verfahren gar nicht anbietet. Sie wollen die Kosten nicht tragen und kämpfen daher für den Erhalt des Lastschriftverfahrens. Aus demselben Grund akzeptieren viele Läden auch immer noch keine Kreditkarten.
Die "Strafgebühr" von 35 Pfennig soll die Händler dazu bringen, auf das teurere EC-Cash-System umzustellen, fürchtet der HDE. Dadurch drohten dem Handel Mehrbelastungen in Höhe von 250 Millionen Mark pro Jahr. Das würde letztendlich auf den Kunden abgewälzt.
Die Verbände hoffen noch auf eine Ablehnung der Pläne durch das Bundeskartellamt. Eine im Kartell beschlossene Zahlungsverpflichtung der Banken stehe im krassen Widerspruch zum Wettbewerb. Das Kartellamt wollte sich nicht näher äußern und verwies darauf, dass noch nichts angemeldet worden sei.
Im Gegensatz zur wachsenden Beliebtheit der EC-Karte ist der Eurocheque weiter auf dem Rückzug. Noch 1994 entfielen 8,3 Prozent auf diese Zahlungsart. 1999 waren es nur noch 1,3 Prozent - gegenüber zwölf Prozent Zahlungen per Karte. Vom 1. Januar 2002 wird zudem die Zahlungsgarantie für 400 Mark je Eurocheque entfallen. Damit ist das Ende des Schecks programmiert. Die wieder aufladbare Geldkarte ist nach Angaben des Einzelhandels nach wie vor ein Flop und "spielt keine Rolle".