Einsicht: VW-Belegschaft ist bereit zu sparen - DER SPIEGEL
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Einsicht VW-Belegschaft ist bereit zu sparen

Mit Fassung hat die Belegschaft von Volkswagen auf die Sparpläne von Konzernchef Bernd Pischetsrieder reagiert. Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh signalisierte ein Entgegenkommen der Arbeitnehmer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wolfsburg - Für die anwesenden Belegschaftsmitglieder kam die Nachricht nicht überraschend. Bereits im August hatte Pischetsrieder die Notwendigkeit eines Stellenabbaus klar gemacht. Osterloh bekräftigte die Bereitschaft der VW-Werker, gemeinsam mit Vorstand und Management nach Lösungen zu suchen. Bestehende Verträge dürften jedoch nicht angetastet werden.

Während der Betriebsversammlung heute im Stammwerk Wolfsburg hatte Pischetsrieder die schwierige Situation der deutschen Standorte des VW-Konzerns erläutert. Vor allem in Wolfsburg gebe es einen "Personalüberhang von mehreren tausend Mitarbeitern".

Bei dem geplanten Stellenabbau will VW den im vergangenen Jahr ausgehandelten Tarifvertrag für die westdeutschen Werke jedoch nicht antasten. Darin waren betriebsbedingte Kündigungen für die 103.000 Mitarbeiter ausgeschlossen worden. Nach Angaben von Pischetsrieder will VW stattdessen gezielt Mitarbeitern ansprechen und ihnen Aufhebungsverträge anbieten. Zudem soll die derzeit noch bis zum Jahrgang 1950 geltende Altersteilzeitregelung auf die Jahrgänge 1951, möglicherweise auch auf das Geburtsjahr 1952 ausgedehnt werden. VW will durch dieses Maßnahmenpaket die ursprünglich bis 2011 geplante Senkung der Personalkosten um zwei Milliarden Euro vorziehen.

Standort der golf-SUV-Produktion noch offen

Im Streit um den künftigen Standort des neuen Kompakt-Geländewagens forderte Pischetsrieder allerdings eine Verringerung der Personalkosten im Werk Wolfsburg und ein Entgegenkommen der Arbeitnehmer, wenn das Werk den Zuschlag für das Modell doch noch erhalten wolle.

Dafür aber müsste der Betriebsrat Lohnkürzungen und anderen Arbeitszeiten zustimmen. Bis 26. September muss die Entscheidung fallen. Bislang sei noch alles offen, sagte ein Volkswagen-Sprecher. In den weiteren Gesprächen wartet nun der Konzern auf ein Angebot der Arbeitnehmerseite.

Um die Personalkosten weiter zu reduzieren, müssten entweder Stellen abgebaut, die Kosten pro Mitarbeiter sinken oder sogar beide Maßnahmen durchgeführt werden, sagte Pischetsrieder. Der Konzern müsse aus den deutschen Werken wieder profitabel exportieren können. Hierfür müssten auch die Personalkosten wenigstens innerhalb Deutschlands wieder wettbewerbsfähig sein, sagte der VW-Chef. Diese Wirtschaftlichkeit aber sei unter den Bedingungen des Haustarifs in Wolfsburg nicht erreichbar.

Überkapazitäten und zu hohe Kosten

Aus diesem Grund habe sich das zuständige Produkt-Strategie-Komitee gegen die Produktion des Geländewagens ab 2007 in Wolfsburg ausgesprochen. Pischetsrieder ließ durchblicken, dass es nun an den Arbeitnehmern sei, Kompromisse zu machen. Eine mögliche Entscheidung für Wolfsburg könnte laut dem VW-Chef dort rund 1000 Arbeitsplätze sichern. "Dies wäre eine wichtige Entscheidung für den Standort", betonte er. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatte in der vergangenen Woche damit gedroht, den Geländewagen aus Kostengründen anstatt in Wolfsburg in Portugal bauen zu lassen.

Trotz steigender Absatzzahlen leidet Volkswagen laut Pischetsrieder derzeit unter erheblichen Überkapazitäten. Wie viele Stellen durch Aufhebungsverträge und die Ausweitung des Vorruhestands gestrichen werden sollen, ließ VW zunächst offen. Der SPIEGEL hatte erst am Wochenende berichtet, in den kommenden Jahren könnten rund 10.000 der 103.000 westdeutschen Stellen bei VW wegfallen. Bisher hat VW mit 6000 Mitarbeitern eine Altersteilzeit vereinbart, die bis 2008 ausscheiden sollen.

Volkswagen steht derzeit massiv unter Sparzwang. Auf dem Konzern lasten der schwache Dollar, der harte Wettbewerb sowie steigende Rohstoffkosten und die Probleme in den wichtigen Auslandsmärkten USA und China. Nach mehr als vier Milliarden Euro in den Jahren 2004 und 2005 will VW mit seinem Programm "ForMotion Plus" Branchenkreisen zufolge in den kommenden drei bis vier Jahren weitere rund zehn Milliarden Euro einsparen.