Einwohnerschwund im Osten: Bedrohlicher Exodus - DER SPIEGEL
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Einwohnerschwund im Osten Bedrohlicher Exodus

Schon jetzt ist die Bevölkerung im Osten Deutschlands statistisch gesehen überaltert, viele besonders qualifizierte Menschen sind abgewandert. Einer Studie der staatseigenen Bank KfW zufolge wird aber alles noch schlimmer.
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Frankfurt am Main - "Die kommenden 15 Jahre - aber auch die Zeit danach - werden vom Altern und Schrumpfen der Bevölkerung mitgeprägt sein", sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch anlässlich der Vorstellung einer Studie zu 15 Jahren deutscher Einheit. Der Osten werde früher und härter unter den Folgen des demographischen Wandels leiden als die westdeutschen Bundesländer. So würden die Probleme Überalterung und Abwanderung noch weiter zunehmen.

Der Westen werde erst 2036 das Bevölkerungsniveau von 2002 unterschreiten, sagte Irsch. Dagegen habe Ostdeutschland schon seit der Wiedervereinigung per saldo schon 1,6 Millionen Bürger verloren. Bis zum Jahr 2050 werde ein weiteres Viertel abwandern, bei den Erwerbsfähigen seien es sogar über die Hälfte.

Ostdeutschland gerate dadurch in einen Teufelskreis aus geringeren Einnahmen, schlechteren Möglichkeiten zur Finanzierung der Infrastruktur, sinkender Attraktivität und stetig abnehmenden Einwohnerzahlen. Für viele Betriebe werde sich die Existenzfrage stellen. Für ausländische Investoren sei der Mangel an jungen, gut ausgebildeten Menschen ein Standortnachteil.

Trotz der gravierenden Probleme empfiehlt die KfW keine radikalen Lösungen, sondern legt vielmehr weitere Investitionen in den Mittelstand, Innovationen und Bildung nahe. Die KfW habe den Mittelstand im Osten zwischen 1990 und 2004 fast 60 Milliarden Euro an Fördermitteln bereitgestellt. "Wir halten nichts von Sonderwirtschaftszonen. Lösungen muss es für ganz Deutschland geben", sagte Irsch.

Abwanderung: Sachsen-Anhalt litt besonders

Förderungen sollten auch nicht auf bestimmte Regionen begrenzt sein, die mehr Potential hätten. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Stimmen gegeben, die sich für eine Art Sonderzone mit beschleunigten Verfahren und deutlich weniger Bürokratie stark machten, um Wachstum zu fördern.

Im industriellen Bereich haben laut KfW vor allem Sachsen und Thüringen gute Chancen. Beide Länder seien zu "einer Drehscheibe für Automobilhersteller und deren Zulieferer geworden", heißt es der Studie. Sachsen habe zudem Halbleiterhersteller angezogen. In Thüringen habe sich aus historischen Wurzeln eine bedeutende optische Industrie angesiedelt, in Sachsen-Anhalt ein Netz von Chemiefirmen.

Beim Bevölkerungsrückgang zwischen 1990 und 2003 hatte Sachsen- Anhalt mit 12,2 Prozent das stärkste Minus zu verzeichnen. Mecklenburg-Vorpommern hatte in dem Zeitraum 10,0 Prozent seiner Bevölkerung verloren. In Sachsen beträgt das Minus 9,3 Prozent in Thüringen 9,2 Prozent. Brandenburg hat mit einem Minus von 0,8 Prozent den geringsten Rückgang zu verzeichnen.