Einzelhandel 2004 droht die erste Mega-Pleite
Düsseldorf - "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch namhaften Unternehmen die Luft ausgeht", so Peter Schommer, Handelsexperte bei Ernst & Young. Die Wirtschaftsprüfer sagen der Branche deshalb nicht nur Insolvenzen, sondern auch Übernahmen und Betriebsaufgaben voraus. Von der Entwicklung profitieren würden vor allem der Internethandel und Discounter. Sie können ihre Umsätze auf Kosten der Kaufhäuser und Fachgeschäfte weiter steigern, so das Ergebnis der Düsseldorfer Prüfer. Sie hatten für ihre Studie eine Umfrage unter 120 deutschen Handelsunternehmen durchgeführt.
Viele Einzelhändler hätten zudem mit geringen Eigenkapitalquoten und einer hohen Verschuldung zu kämpfen, erklärte Ernst & Young. Wenn 2006 die schärferen Regeln zur Kreditvergabe ("Basel II") in Kraft treten, würde es den Händlern zusätzlich erschwert, finanzielle Mittel zu erhalten. "Das wird ein richtiges Schockerlebnis werden für viele Unternehmen", sagte Schommer. Sie müssten bei den Finanzierungskosten mit hohen Risikoaufschlägen rechnen.
24 Prozent der befragten Händler überbrückten mit Bankenkrediten ihre derzeit schwierige Finanzlage. "Mit anderen Worten: Die kämpfen ums Überleben", so Schommer. Gespart werde deshalb vor allem bei den Raum- und Personalkosten. Jeder vierte Händler wolle im ersten Halbjahr 2004 Arbeitsplätze abbauen und nur jeder zehnte Händler zusätzliche Mitarbeiter einstellen.