Einzelhandel Abendzuschläge sollen fallen
Hamburg - "Unser Ziel ist, von diesen Zuschlägen wegzukommen", sagte Heribert Jöris, Geschäftsführer für Tarif- und Sozialpolitik beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), dem "Hamburger Abendblatt"
(Dienstagausgabe). Die Zuschläge seien ein Anachronismus aus einer Zeit, als noch um 18.30 Uhr geschlossen wurde. "Wir sind die einzige Branche in Deutschland, die Zuschläge vor 22 Uhr zahlt", meinte Jöris
Er warnte die Gewerkschaften vor einer Blockadepolitik. "Wenn
die Betriebe die Spätarbeitszuschläge weiterhin zahlen müssen,
werden sie aus dem Flächentarifvertrag austreten", sagte er. Das könne nicht das Ziel der Gewerkschaften sein.
Der stellvertretende Hamburger Verdi-Chef Ulrich Meinecke
warf den Arbeitgebern eine Provokation vor. Die kürzliche
Kündigung der Manteltarifverträge habe das Ziel, die Zuschläge
abzuschaffen. "Das ist mit uns nicht zu machen", sagte der Gewerkschafter. Er sehe deshalb nicht, wie in den anstehenden Tarifverhandlungen ein Konsens erreicht werden solle.
Zwischen 18.30 und 20.00 Uhr erhalten Angestellte von
tarifgebundenen Unternehmen den Angaben zufolge derzeit eine
Zeitgutschrift von 20 Prozent - pro gearbeiteter Stunde also
zwölf Minuten. Nach 20.00 Uhr steige die Quote auf 50 Prozent,
die laut Gewerkschaft Verdi wahlweise als Freizeitausgleich
genommen oder ausgezahlt werden können.
kai/AFP/dpa/Reuters