Einzelhandel: Euro verdirbt Kauflaune - DER SPIEGEL
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Einzelhandel Euro verdirbt Kauflaune

Der Umsatz im deutschen Einzelhandel ist im Februar deutlich zurückgegangen. Die Preissteigerungen durch die Euro-Umstellung seien für die schlechten Geschäfte verantwortlich, sagen Volkswirte.
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Wiesbaden - Nach Herausrechnen von saisonalen Einflüssen und Inflation seien die Umsätze um 1,5 Prozent zum Januar gesunken, teilt das Statistische Bundesamt mit. Zugleich sind laut Statistik real, also bei konstanten Preisen, 2,8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat umgesetzt worden. Auch gegenüber Februar 2001 haben die Umsätze im Einzelhandel nachgelassen.

Nach Einschätzung von Volkswirten haben die Verbraucher wegen des Euro-Preisanstiegs zu Jahresbeginn weniger ausgegeben. Die Konsumenten hätten sich über Preiserhöhungen bei der Euro-Umstellung geärgert, und die Kaufkraft sei von höheren Gemüse- und Energiepreisen geschmälert worden. "Das ist aber nur vorübergehend. Wenn sich die Verbraucher an die neuen Preise gewöhnt haben, werden sie wieder mehr ausgeben", sagte Christoph Hausen von der Commerzbank. "Was noch hinzukommt, ist der schwache Arbeitsmarkt", sagte Commerzbank-Volkswirt Hausen. Vom privaten Verbrauch sei deshalb kein starker Impuls für die erwartete Konjunkturerholung zu erwarten. Es sei aber normal, dass sich ein Aufschwung zuerst in der Produktion niederschlage und Konsum wie Arbeitsmarkt später reagierten.

Auch Ulla Kochwasser, Volkswirtin von der Mizuho Corporate Bank, ist der Meinung, dass der Ärger und die Verunsicherung über höhere Euro-Preise die Deutschen zum Sparen veranlasst haben. Auch wenn die gesamten Lebenshaltungskosten kaum nachweisbar wegen der Preisumstellung gestiegen seien, nähmen die Verbraucher höhere Preise in Gaststätten etwa besonders stark wahr. Zu Jahresbeginn waren zudem die Gemüsepreise wegen des kalten Winters in Südeuropa drastisch gestiegen, was viele Verbraucher als Erklärung aber nicht glaubten. Bei einer Umfrage der Verbraucherverbände hatten 84 Prozent angegeben, wegen der Euro-Umstellung generell mehr ausgeben zu müssen.

Das Statistische Bundesamt hatte für die Lebenshaltung nur sehr geringe Preissteigerungen wegen des Euro ermittelt, und die Bundesbank hatte stets widersprochen, dass der Euro ein Preistreiber sei. Doch Dienstleister wie Gaststätten, Friseure und Reinigungen hatten auch nach Beobachtung der Statistiker den Euro zu Preisanhebungen genutzt. Die Deutschen kauften im Februar vor allem deutlich weniger Waren, die nicht zur Lebensmittelsparte gehören. So hat der Fachhandel mit Bekleidung und Schuhen real, also inflationsbereinigt, 5,9 Prozent weniger umgesetzt. Die Geschäfte für Hausrat, Bau- und Heimwerkerbedarf verzeichneten ein Minus von real 9,1 Prozent.

Bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren waren die Konsumenten im Februar nicht ganz so zurückhaltend. Der Umsatz sank hier real nur um 0,3 Prozent. Supermärkte und Warenhäuser schnitten dabei besser ab als der Facheinzelhandel. Auf Kosmetik und pharmazeutische Produkte wollten die Deutschen jedoch nicht verzichten. Diese Warengruppe legte im Februar deutlich zu.