Einzelhandel Hertie soll wieder verkauft werden
Düsseldorf - Die noch vor kurzem als Karstadt Kompakt firmierende Kette solle in zwei Teilen verkauft werden, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf "Kreise angesprochener Investoren". Die Immobilien sollen allein - getrennt vom operativen Geschäft - veräußert werden. Ein Sprecher des Unternehmens habe sich auf Anfrage nicht äußern wollen.
Der Handelsriese KarstadtQuelle hatte die Warenhäuser im Zuge seiner Sanierung im August 2005 an den britischen Finanzinvestor Dawnay Day verkauft, der sich eigentlich langfristig an das Unternehmen binden wollte. Ende 2006 stockte die auf Immobilien spezialisierte Unternehmensgruppe ihren Anteil von 50 auf 85 Prozent auf. Den Rest halten Manager der Londoner Unternehmensberatung Hilco. Weil die Namensrechte für die Karstadt-Häuser ausliefen, erhielten die Filialen im März den Namen Hertie.
Insider berichten laut "Handelsblatt" schon seit einiger Zeit über schleppende Geschäfte in den Hertie-Häusern. Außerdem schweigt die Geschäftsführung, die bei der Übernahme noch eine regelmäßige Berichterstattung über die Ertragszahlen versprochen hatte, seit zwei Jahren hartnäckig über den Geschäftsverlauf.
Die Verkaufspläne dürften vor allem Klein- und Mittelstädte Nordrhein-Westfalens sowie die Vorstädte von Berlin, Hamburg und München betreffen. Dort stehen die meisten der betroffenen Hertie-Häuser, insgesamt 74 kleinere Filialen.
Gegenüber dem Handelsblatt bezweifelten Investoren, dass Dawnay Day für das operative Geschäft rasch einen Interessenten finden wird. Beim Kauf des Unternehmens vor zwei Jahren hatten die Briten rund 500 Millionen Euro auf den Tisch gelegt während Analysten den wahren Wert gerade einmal auf die Hälfte taxierten. Der hohe Preis, vermuteten Insider, sei zustande gekommen, weil Karstadt-Quelle den Käufern noch bis 2007 Dienstleistungen wie Warenbeschaffung oder IT-Betreuung zu "Freundschaftspreisen" zusicherte. Diese Möglichkeit aber fehlt den derzeitigen Finanzinvestoren nun beim geplanten Weiterverkauf. Zudem besitzen die 4800 Mitarbeiter bis Ende 2007 durch einen Sanierungstarifvertrag eine Jobgarantie.
Dawnay Day hat die Spekulationen über den bevorstehenden Verkauf der Warenhauskette allerdings dementiert. Der Finanzinvestor und das Hertie-Management betonten in einer heute veröffentlichten Stellungnahme, die Gerüchte hätten keine Substanz: "Das Unternehmen steht nicht zum Verkauf und sowohl Management, als auch Eigentümer sind zufrieden mit der Geschäftsentwicklung, die planmäßig verläuft."
sam/dpa-AFX/ddp/AP