Einzelhandelskrise "Es genügt nicht"
"Berlin - Der Umsatz des Einzelhandels sei zum Juni sowohl real als auch nominal saison- und kalenderbereinigt um 0,9 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Zum Vorjahr seien die Erlöse preisbereinigt um 0,9 Prozent gesunken, nominal um 0,5 Prozent.
"Es ist auf alle Fälle eine Stabilisierung, aber auf niedrigem Niveau", sagte Manfred Kurz von der Bayerischen Landesbank. "Es genügt nicht, um von einer dauerhaften Wende sprechen zu können." Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Mittel mit einem Rückgang der realen Umsätze von 0,4 Prozent im Vergleich zum Juni und einem Minus von 2,1 Prozent zum Vorjahresmonat gerechnet.
Der hiesige Einzelhandel leidet seit drei Jahren unter der fehlenden Konsumbereitschaft. Die Branchenverbände hatten ursprünglich für dieses Jahr zumindest ein kleines Umsatzplus eingeplant. Bislang blieben die Umsätze aber erneut unter dem Vorjahresstand: In den ersten sieben Monaten verkaufte der Einzelhandel 1,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Einbruch bei den Fachmärkten
Jüngste Umfragen unter Verbrauchern ergaben zudem, dass sich die Stimmung der Konsumenten vor allem in Ostdeutschland wegen der Angst vor Einkommensverlusten durch die Arbeitsmarktreformen noch weiter verschlechtert hat. "Daher dürfte der noch schwache Trend im Einzelhandel anhalten", sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Im zweiten Halbjahr stände noch keine durchgreifende Besserung der Konsumausgaben an.
Wie in den vergangenen Monaten war der Umsatzrückgang im Facheinzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren auch im Juli mit real fast sieben Prozent besonders groß. In den ersten sieben Monaten lagen die Umsätze dieses Bereichs damit 5,5 Prozent unter dem Vorjahr.
Ein Umsatzplus zum Vorjahr verzeichneten hingegen die Händler von Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren, die 0,5 Prozent mehr verkauften. Steigende Erlöse meldete auch der Handel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten, der um 0,7 Prozent mehr verkaufte.