Eiserne Hand - DER SPIEGEL
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SÜDAFRIKA Eiserne Hand

Sudafrikas Wirtschaft, bislang die wachstumsstärkste des Kontinents, lahmt. Nach Angola und Rhodesien-Krise schwindet das internationale Vertrauen.
• aus DER SPIEGEL 16/1976
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Die glauben«, mokierte sich ein Broker an der Johannesburger Börse, »die Kubaner stünden bereits auf unseren Goldminen.« Seit Soldaten von der Zuckerinsel im Nachbarstaat Angola den moskaufreundlichen Guerillas zum Sieg verhalfen und der Sturz des weißen Minderheitsregimes in Rhodesien immer näher rückt, stöhnen Sudafrikas Wirtschaftsstrategen über rapiden internationalen Vertrauensschwund.

An Johannesburgs Börse etwa fiel der Index der Goldminenaktien zeitweilig jeden Tag um ein Prozent. In London ging seit Mitte Februar der Goldminen-Index um über 20 Prozent zurück. Die »Sunday Times« registrierte in der Londoner City gar einen »spürbaren Aufruhr«, weil Britanniens Banker und Bosse ihre südafrikanischen Interessen -- sie stehen weit an der Spitze der Auslandsinvestoren im Apartheidsstaat -- gefährdet sehen.

Längst scheuen sich Financiers, ihre Gelder den Südafrikanern anzuvertrauen. Als die südafrikanische Regierung beispielsweise eine Anleihe über nur 25 Millionen Dollar zu immerhin 9,75 Prozent Zinsen am Eurodollar-Markt aufnehmen wollte, fanden sich kaum Interessenten. Der Kurs bereits plazierter Anleihen des staatlichen Energieversorgungsunternehmens Electricity Supply Commission und der Stadt Johannesburg sackte bis zu 20 Prozent ab.

Krisenangst demonstrierten auch Südafrikas Reiche. Ein Johannesburger Diamantenhändler schätzt, daß Privatleute jeden Monat Edelsteine im Wert von rund zehn Millionen Rand (30 Millionen Mark) über die Grenze schaffen -- und so die strengen Devisenbestimmungen umgehen. Einkaräter oder gar größere Diamanten sind vom südafrikanischen Markt fast ganz verschwunden.

Noch vor gut einem Jahr schienen die Südafrikaner mit ihrer Ausbeutung der Schwarzen davonzukommen, vielleicht gar zu einem Wirtschaftswunder anzusetzen. Für Gold, den wichtigsten Geldbringer des Landes, wurden immer neue Höchstpreise gezahlt. Im Vertrauen auf einen Goldpreis von 175 Dollar je Unze entwickelte die Regierung ehrgeizige Wirtschaftspläne, die das Land unabhängiger vom feindlich gesinnten Ausland machen sollten -- so beispielsweise durch den Bau einer riesigen Anlage zur Benzingewinnung aus heimischer Kohle.

Neben mehr Prosperität versprach die im Vergleich zu Rhodesien weniger sture Politik des wendigen Buren-Premiers Balthazar Johannes Vorster auch friedliche Koexistenz mit den Nachbarn.

Doch seit einigen Wochen zeigen die Südafrikaner »Angst, Niedergeschlagenheit und Verwirrung«,

Und statt dem weißen Volk mehr Wohlstand und Wachstum zu bescheren, verordnete die Regierung der Nation ein Notprogramm. So verkündete Finanzminister Owen Horwood vorletzte Woche nahezu eine Verdoppelung der Verteidigungsausgaben auf umgerechnet vier Milliarden Mark.

Die Aufrüstung trifft nun auch die Weißen voll: Der Finanzminister verschrieb Arbeitgebern und Arbeitnehmern drastische Steuererhöhungen. Empörte sich die progressive Parlamentsabgeordnete Helen Suzman: »Die glauben, nur mit eiserner Hand und Machtpolitik den weißen Mann retten zu können.«

Selbst das ist fraglich. Denn die Regierung in Pretoria riskiert mit ihrer rigorosen Politik nun auch, Investitionen und Wachstum zusätzlich abzuwürgen -- und gleichzeitig die sozialen und rassischen Spannungen noch zu verschärfen. »Wirtschaftliches Wachstum«, urteilt ein Experte in Kapstadt, »hat die Regierung in die Lage versetzt, die Lebensbedingungen der Schwarzen allmählich zu verbessern. Jeder Wachstumsstopp zu einer Zeit, da die schwarze Bevölkerung militanter wird, käme einem politischen Desaster gleich.«

Schon im letzten Jahr wuchs Südafrikas Bruttoinlandsprodukt nur noch um gut zwei Prozent -- gegenüber noch 7,2 Prozent im Jahre 1974. In diesem Jahr könnte wegen der zunehmenden politischen Unsicherheit die Wachstumsrate weiter schrumpfen, fürchten Experten. Denn ausländische Investoren beispielsweise zweifeln schon, ob es sich für sie noch lohnt, durch verstärktes Engagement im Rassistenstaat ganz Schwarzafrika zu verprellen. Immerhin investierten Amerikaner, Briten und Deutsche bislang Milliardenbeträge vor allem in die verarbeitende Industrie, die Südafrikas wirtschaftlichen Fortschritt am stärksten beschleunigte.

Allein über 300 US-Konzerne, darunter Multis wie General Motors, IBM und ITT, sind in Südafrika engagiert. So kamen vor einigen Wochen im IBM-Manager-Ausbildungszentrum in Sands Point (US-Bundesstaat New York) die bp-Leute von 16 US-Konzernen zu einem geheimen Treffen zusammen. Ihr ökonomisches Gewicht, so das Ergebnis des Geheim-Plauschs, wollen die Amerikaner der Zukunft ihrer Unternehmen zuliebe für die schwarze Mehrheit Südafrikas einsetzen.

Auch viele Unternehmer Südafrikas drängen die Regierung, in der Rassenpolitik einen kompromißbereiten Kurs zu steuern.

So bangt Nigel Bruce von der Vereinigung südafrikanischer Handelskammern um die Investitionen, »wenn die Regierung nicht auf die Rassendiskriminierung verzichtet«. Sogar Minenmagnat Harry Oppenheimer von der weltumspannenden Anglo American Corporation drängt vorsichtig zu Progressivität: »Wir dürfen das neugefundene schwarze Selbstbewußtsein nicht unterschätzen.«

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