EM.TV: Deutsche-Bank-Töchter reichen Klage ein - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

EM.TV Deutsche-Bank-Töchter reichen Klage ein

Das Skandalunternehmen EM.TV muss sich erneut vor Gericht verantworten. Nun klagen zwei Tochtergesellschaften der Deutschen Bank. Offenbar, weil die EM.TV-Aktien, die sie bei einem scheinbar lukrativen Tauschgeschäft erhielten, fast nichts mehr wert sind.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Wie EM.TV in einer Ad-hoc-Mitteilung bekannt gab, wurde dem Unternehmen am 10. Dezember 2001 eine Klage der Morgan Grenfell Development Capital Syndications Limited und des Fonds Deutsche European Partners IV zugestellt. Eine derartige Klage sei bereits im Januar 2001 in der Presse kolportiert worden, heißt es. Ursache des Streits seien angebliche, nicht der Höhe nach bezifferte Gewährleistungsansprüche aus einem Vertrag, der am 17. März 2000 unterzeichnet wurde.

EM.TV hatte damals die Hälfte an der Formel-1-Vermarktungsfirma SLEC von Bernie Ecclestone übernommen. Morgan Grenfell sowie die US-Investmentbank Hellman & Friedman waren bei diesem Geschäft als Zwischenhändler aufgetreten.

Im Rahmen dieses Vertrages haben die Kläger Aktien an EM.TV erhalten. Aus dem damals scheinbar lukrativen Deal wurde nach Einschätzung von Branchenexperten ein Desaster für Morgan Grenfell und European Partners. Denn für den 12,5-Prozent-Anteil an der SLEC hatte Morgan Grenfell Equity im Oktober 1999 noch 325 Millionen Dollar gezahlt.

Die Finanzhäuser reichten ihre Pakete an der SLEC zwar für 1,8 Milliarden Dollar an EM.TV weiter, ein Aufschlag von rund 700 Millionen Dollar. Allerdings ließen sich beide Unternehmen nur einen Teil (712,5 Millionen Dollar) der Kaufsumme in bar bezahlen; der Rest wurde mit EM.TV-Aktien (zehn Millionen Stück) beglichen, die mit je 110 Euro bewertet worden waren.

Zumindest für die Morgan Grenfell war dies fatal. Da sie - anders als der US-Partner Hellman & Friedman - die erhaltenen Papiere nicht postwendend verkaufte, entstand dem Finanzhaus durch den Einbruch der EM.TV-Aktie ein hoher Buchverlust.

Nach Angaben aus Branchenkreisen liegt dieser Verlust in einer Größenordnung von mindestens einer Milliarde Mark. Am 17. März 2000 notierte die Aktie des Medienunternehmens bei über 90 Euro, am Abend des 11. Dezember 2001 schloss sie bei etwa 1,60 Euro - ein Verlust von rund 98 Prozent.

In ihrer aktuellen Ad-hoc-Meldung betont die EM.TV AG, sie weise "die gegen sie geltend gemachten Ansprüche auf Basis der ihr gegenwärtig vorliegenden Informationen und des eingeholten Rechtsrats als unbegründet zurück". Daher wolle man sich "vollumfänglich dagegen verteidigen". Die Gesellschaft weist ferner darauf hin, dass sie zu keinem Zeitpunkt zu Gunsten der Kläger eine Kursgarantie übernommen habe und die Kläger ihre Aktien schon seit Mitte letzten Jahres hätten veräußern können.

Mitte letzten Jahres allerdings war die gewaltige Schieflage des Unternehmens für Außenstehende noch kaum erkennbar. Ein Grund dafür liegt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft München im Verhalten der Brüder Florian und Thomas Haffa. Gegen sie wurde vor einigen Wochen Anklage erhoben. Den beiden wird vorgeworfen, im August 2000 bewusst falsche Halbjahreszahlen des Unternehmens veröffentlicht zu haben.