EM.TV Ecclestone ist offenbar gegen Kirch
Jetzt hat der Münchener Medienunternehmer Herbert Kloiber seinem ehemaligen Lehrmeister Kirch im Kampf um die Übernahme von EM.TV den Fehde-Handschuh hingeworfen. "Ich will EM.TV von der Kirch-Gruppe fern halten", sagte Kloiber in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt". Kloiber gilt seit langem als Kirchs Intimfeind.
Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren war, soll auch die US-Investmentbank Hellman & Friedman wieder mit von der Partie sein. Von ihr und einer anderen Bank hatte EM.TV den 50-Prozent-Anteil an der Formel-1-Gesellschaft SLEC im Frühjahr 2000 erworben. Für diese Anteile von EM.TV will Hellman & Friedman jetzt rund 700 Millionen Dollar bezahlen - nicht eben viel, wenn man bedenkt, dass der EM.TV noch 1,7 Milliarden Dollar für die SLEC-Anteile überwiesen hatte.
Kirchs Angebot ist da noch besser. Er will für einen Anteil von knapp 25 Prozent an der Formel 1 rund 550 Millionen Dollar auf den Tisch legen, kann allerdings bisher keine Bankgarantie dafür liefern. Auch die weiteren 500 Millionen Dollar will Kirch nicht garantieren, die er bezahlen müsste, wenn Bernie Ecclestone von seiner Option Gebrauch macht, ab Mai ein 25-Prozent-Paket an der SLEC an EM.TV zu verkaufen.
Unklar ist indessen, ob Kirch und EM.TV überhaupt noch miteinander verhandeln - eigentlich hatten sie bis Ende Januar exklusive Gespräche vereinbart. Aus gut informierten Kreisen hieß es allerdings, dass es schon seit Tagen keine Gespräche mehr gebe. EM.TV-Chef Thomas Haffa sei "paralysiert". Dieter Hahn, rechte Hand von Leo Kirch, besuchte unterdessen Ecclestone in London, um ihm das große Interesse Kirchs an der Formel 1 deutlich zu machen. Denn Ecclestone hat derzeit alle Fäden in der Hand.
Branchenkenner vermuten denn auch, dass der Formel-1-Chef bei den Verhandlungen der Kirch-Konkurrenten im Hintergrund Regie führt. EM.TV-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker und Kloiber haben offenbar am vergangenen Donnerstag in Genf mit den Bankern ausgehandelt, dass - sollten sie mit EM.TV einig werden - Hellman & Friedman 17 Prozent an SLEC kostenlos an Formel-1-Chef Bernie Ecclestone weiterreicht und für die restlichen 33 Prozent erneut einen finanzkräftigen Käufer sucht, berichtet das "Handelsblatt".
Als Hintergrund vermuten die Experten, dass der Formel-1-Mogul kein Interesse daran habe, dass sein gut zahlender Kunde Kirch durch den Einstieg bei EM.TV sein Teilhaber wird. Gleichzeitig wolle Ecclestone verhindern, dass die Formel 1 auf dem wichtigsten Medienmarkt in Europa nur in Kirchs wenig erfolgreichem Abonnentensender Premiere World laufe.