EM.TV Staatsanwälte schalten sich ein
München - Der Leitende Oberstaatsanwalt Manfred Wick sagte, er habe ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Aktiengesetz eingeleitet. Der Staatsanwaltschaft lägen insgesamt sieben Strafanzeigen vor, unter anderem von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sagte er. Untersucht werde auch ein möglicher Insiderhandel mit EM.TV-Aktien. Thomas Haffa hat nach eigenen Angaben im Januar und Februar für 40 Millionen Mark Aktien des Unternehmens verkauft.
Der EM.TV-Sprecher sagte, das Medienunternehmen habe bereits über einen Rechtsanwalt mit Wick Kontakt aufgenommen. EM.TV sei bereit, die Bücher offen zu legen und in jeglicher Hinsicht zu kooperieren. Zum Inhalt der Vorwürfe wollte er sich nicht äußern. Ein Rücktritt von Thomas Haffa stehe weiterhin nicht zur Debatte. Der EM.TV-Gründer und Vorstandschef hatte dem SPIEGEL gesagt, er denke über Konsequenzen nach, wenn sich das Vertrauen der Aktionäre und Investoren nicht wieder herstellen lasse.
Am Neuen Markt verloren die EM.TV-Aktien zeitweise mehr als drei Prozent. Ein Händler sagte, die recht geringe Kursreaktion überrasche angesichts des niedrigen Kurses nicht. "Die Anleger warten derzeit einfach ab", sagte er. In EM.TV seien ohnehin nur noch spekulative Investoren engagiert. Das Einschreiten der Staatsanwaltschaft sei zu begrüßen. "Es ist gut, dass ein Zeichen gesetzt wird und die Justiz sich so was mal näher ansieht", sagte er. Nur so könne das Vertrauen in den Neuen Markt wieder hergestellt werden.
Wegen Insiderhandels und falschen Angaben über Großaufträge sitzen zwei frühere Vorstände der ebenfalls in dem Segment notierten Infomatec aus Augsburg seit vier Wochen in Untersuchungshaft.