EM.TV: Staatsanwaltschaft wirft den Haffas Kursbetrug vor - DER SPIEGEL
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EM.TV Staatsanwaltschaft wirft den Haffas Kursbetrug vor

Die Gebrüder Haffa haben laut Münchner Staatsanwaltschaft bewusst falsche Halbjahreszahlen für das Medienunternehmen EM.TV in die Welt gesetzt. Zudem sollen die ehemaligen Neue-Markt-Stars wider besseres Wissen positive Prognosen gemacht haben.
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München - Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden der EM.TV & Merchandising AG  , Thomas Haffa, und seinen früher als Finanzchef tätigen Bruder Florian Anklage wegen des Verdachts auf Kursbetrug erhoben. Den ehemaligen Vorständen des am Neuen Markt notierten Unternehmens werde vorgeworfen, im August vergangenen Jahres bewusst falsche Halbjahreszahlen bekannt gegeben zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Außerdem hätten sie in Interviews und Vorträgen im Oktober und November 2000 die Geschäftsentwicklung von EM.TV zu positiv dargestellt. Die Brüder hätten die Prognosen für das Jahr 2001 bestätigt, obwohl sie wussten, dass diese nicht mehr einzuhalten waren.

Thomas Haffa hatte die krisengeschüttelte Firma gegründet und bis zum vergangenen Sommer geführt. Sein Bruder Florian war Konzern-Vize und Finanzvorstand. Die beiden galten in der Glanzzeit des Neuen Markts als Vorzeige-Unternehmer. Der Niedergang von EM.TV verschärfte dann die Krise des Börsensegments.

Milliardenverlust statt Millionengewinn

EM.TV hatte im vergangenen Herbst die Halbjahreszahlen nachträglich nach unten korrigiert. Die Staatsanwaltschaft warf den Haffas nun vor, bewusst falsche Zahlen veröffentlicht zu haben. In Interviews und Vorträgen sei zudem die Geschäftsentwicklung bis Mitte November zu positiv dargestellt worden. Sie hätten die Jahresprognosen bestätigt, "obwohl sie wussten, diese nicht mehr einhalten zu können". Statt eines dreistelligen Millionen-Gewinns wurde letztendlich ein Verlust von etwa 2,7 Milliarden DM eingefahren.

Die bayerische Landesgeschäftsführerin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, sagte, viele Vorstände am Neuen Markt hätten lange nach dem Motto "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" gehandelt. Es gehe nicht darum, "Symbolfiguren des Neuen Markt zu zerstören". Vorstände müssten aber für ihre Auskünfte genauso haften wie Anwälte, Steuerberater oder Ärzte, forderte die Anwältin. Bergdolts Kanzlei vertritt 59 EM.TV- Aktionäre in einem Schadenersatzverfahren. Das Münchner Landgericht wies die Klage der Gruppe vor wenigen Wochen allerdings ab. Bergdolt kündigte an, in die nächste Instanz zu gehen.

Die Brüder Haffa ließen erklären, ihre Verteidigung sei überzeugt, dass sich die Anklagevorwürfe als unbegründet herausstellen werden. "Die Herren Thomas und Florian Haffa haben in ihrer Zeit als Vorstandsmitglieder der EM.TV die Vermögenslage des Unternehmens und die Prognosen stets nach bestem Wissen und Gewissen beurteilt und kommuniziert." In der deutschen Justizgeschichte habe es noch nie eine Verurteilung auf Grund der Vorschriften gegeben, auf die sich die Staatsanwaltschaft berufe. Der EM.TV-Konzern wollte die Anklageerhebung nicht kommentieren, da die Haffas nicht mehr im Unternehmen aktiv seien.