EM.TV Verlust übertrifft alle Erwartungen
München - Nach Angaben des Rechtehändlers liegt der Verlust für das Jahr 2000 bei 2,8 Milliarden Mark. Diesem negativen Ergebnis steht nur ein Umsatz von 1,3 Milliarden Mark gegenüber, heißt es in einer Ad-hoc-Meldung des Unternehmens. Die EM.TV-Aktie blieb am Morgen für eine Stunde vom Handel ausgesetzt. Nach einem kurzen Abrutschen legte das Papier kräftig zu und ging bis zum Mittag um mehr als zwölf Prozent ins Plus auf einen Kurs von rund 5,9 Euro.
Finanzvorstand Rolf Rickmeyer nannte als Gründe für die dramatischen Verluste die weltweit veränderten Marktbedingungen. Nach den Worten von Haffa reflektieren die Zahlen den starken Willen des Unternehmens, "einen sauberen Schnitt zu machen und gleichzeitig ein deutliches Signal für den Neuanfang zu geben".
Der Konzern habe die Konsequenzen des schnellen Wachstums überschätzt, räumte Haffa ein. Die Kontrollmechanismen seien nicht ausreichend gewesen, das operative Geschäft vernachlässigt worden. Hauptursache für den immensen Verlust war die Neubewertung von Beteiligungen.
Auch für das laufende Geschäft konnte Haffa keine guten Nachrichten verbreiten. "Wir werden keine befriedigenden Zahlen für das erste Quartal liefern können", sagte er. Eine Prognose für das Gesamtjahr 2001 wollte der EM.TV-Chef nicht abgeben.
Trotz des negativen Ergebnisses verfügt EM.TV nach eigenen Angaben weiterhin über ein Eigenkapital im Konzern von rund 1,5 Milliarden Mark. Am 30. März 2001 seien die Bankverbindlichkeiten in der AG von nahezu 1,5 Milliarden Mark bis auf rund 234 Millionen Mark zurückgeführt worden.
Ursprünglich hatte das Unternehmen einen Vorsteuergewinn von 600 Millionen Mark und einen Umsatz von 1,5 Milliarden Mark prognostiziert. Noch im Dezember vergangenen Jahres wurde die Gewinnschätzung auf 50 Millionen Mark gesenkt. Analysten hatten im Vorfeld der neuen Bilanzzahlen geschätzt, dass der Verlust zwischen 1,0 und 1,8 Milliarden Mark liegen werde.
Eigentlich müssen Unternehmen des Neuen Marktes die Bilanz bis spätestens Ende März vorlegen. EM.TV hatte eine Fristverlängerung um einen Monat beantragt und diese voll ausgeschöpft. Seinen Rücktritt wird der viel kritisierte Konzernchef Haffa nach Informationen der "Welt am Sonntag" bei der Pressekonferenz nicht verkünden. Er sei in den vergangenen Monaten "durch den Sturm gesegelt", sagte er der Zeitung. In manchen Momenten habe er an Rücktritt gedacht. Dies sei aber kein Thema mehr.
Die EM.TV & Merchandising AG (München) musste im vergangenen Jahr ihre Umsatz- und Ertragsziele drastisch nach unten korrigieren. Haffa geriet zudem ins Kreuzfeuer der Kritik, weil er entgegen Börsenregeln Anfang 2000 eigene Aktien verkaufte. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Ende des Jahres übernahm die KirchGruppe 25 Prozent der Stimmrechte und beteiligte sich an der Formel 1-Vermarktung. Im Gegenzug erhielt EM.TV eine Finanzspritze in Milliardenhöhe.
In den nächsten Monaten stehen bei EM.TV wichtige Entscheidungen an. Aus kartellrechtlichen Gründen muss der Konzern nach dem Einstieg der KirchGruppe seine Beteiligung an der Tele München Gruppe verkaufen. Zudem will sich der Konzern eventuell von der defizitären Jim Henson Company ("Muppetshow") trennen.