EM.TV: Von der Formel 1 zum Dreirad - DER SPIEGEL
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EM.TV Von der Formel 1 zum Dreirad

Nach den Exzessen der Haffa-Brüder bemüht sich der neue Chef Werner Klatten, EM.TV zu einem ganz normalen mittelständischen Unternehmen zu machen. Gefahr droht allerdings weiterhin von der angeschlagenen KirchGruppe.
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Unterföhring - Mit den großen Tönen von EM.TV   ist es endgültig vorbei. "Dass wir uns zurückentwickeln zu einem mittelständischen Unternehmen, ist ohnehin klar. Wir müssen uns trennen von den Teilen, die wir nicht steuern können", sagte er auf der Bilanzpressekonferenz am Montag. Schon zuvor hatte er bei einem Investor-Relations-Treffen gnadenlos mit seinen Vorgängern abgerechnet: "Der Vorstand überfordert, die Verwaltung ineffizient, und die Formel 1 ist ein Spiel für die Big Boys, nicht für EM.TV."

Seit dem spektakulären Abgang der Brüder Thomas und Florian Haffa versucht die neue Führung von EM.TV, unrentable Beteiligungen abzustoßen und sich wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, also auf das Merchandising und den TV-Rechtehandel für die Zielgruppen Kinder und Jugendliche. Dennoch hatte sich EM.TV die Vermarktungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gesichert. Nach Angaben von Marketingchef Rainer Hüther passt dieses Engagement jedoch zur neuen Strategie: "Weil die Zielgruppe kleiner wird, müssen wir neue Genres erschließen. Da ist Sport eine logische Erweiterung".

"Operative Trendwende geschafft"

Erste Erfolge kann Klatten auf seinem Schrumpfkurs verbuchen. Zwar steckt der Konzern immer noch tief in den roten Zahlen, doch im operativen Geschäft geht es wieder steil aufwärts. Im Geschäftsjahr 2001 verbuchte EM.TV erneut einen Fehlbetrag von 374 Millionen Euro, dieser ist laut Klatten jedoch hauptsächlich auf Sonderabschreibungen zurückzuführen, Altlasten der Vorgänger also.

Vor Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) habe EM.TV sein Geschäftsergebnis auf 286 Millionen Euro versiebenfachen können. "Wir haben die operative Trendwende geschafft", sagte Klatten dazu und versprach, dass EM.TV spätestens 2004 ein positives Konzernergebnis ausweisen werde. Der Umsatz legte nach Unternehmensangaben 2001 um zehn Prozent auf 722 Millionen Euro zu. Die Börse quittierte die Zahlen positiv: Das EM.TV-Aktie stieg bis zum späten Nachmittag um rund zehn Prozent auf 1,50 Euro.

Keine Prognose für 2002

Prognosen für das laufende Geschäftsjahr traut sich das Unternehmen dennoch nicht zu. Das erste Quartal sei "kein einfaches Quartal" gewesen, räumte Finanzchef Andreas Pres ein. Da nicht klar sei, welche Beteiligungen bis Ende des Jahres verkauft werden könnten, sei eine Aussage über die Geschäftsentwicklung nicht machbar.

Ungewiss ist derzeit die Zukunft der 16-Prozent-Beteiligung von EM.TV an der Formel 1. Das Paket ist für einen Kredit der KirchGruppe verpfändet und daher schwer verkäuflich. Auch wenn die Verpfändung der Beteiligung zu den Schwächen und Risiken des Unternehmens zähle, sei er von der Werthaltigkeit der Beteiligung überzeugt, sagte Klatten. Derzeit fänden intensive Gespräche mit der Bayerischen Landesbank statt, die doch noch zu einem Mittelfluss an EM.TV führen könnten. "Schlimmstenfalls haben wir ein maximales Ausfallrisiko bei der Formel 1 von 204 Millionen Euro", sagte Klatten. EM.TV und Unternehmen der KirchGruppe sind gemeinsam sowohl an der Formel 1 als auch an dem Joint Venture Junior.TV sowie an der Constantin Film AG beteiligt.

Wie viel bringen die Beteiligungen?

Um die Liquidität des Unternehmens zu sichern, hält Klatten für das laufende Jahr an seinen Verkaufsplänen für die Beteiligungen an der Jim Henson Company ("Muppet-Show") und der Tele München Gruppe fest. Allerdings reiche es aus, eine der beiden Beteiligung zu veräußern. "Jim Henson könnten wir für den unrealistischen Fall, dass die Liquidität gefährdet wäre, heute verkaufen", sagte Klatten. Allerdings gebe es genügend Interessenten und erhebliches Potenzial nach oben beim Verkaufspreis, so dass ein Verkauf zum momentanen Zeitpunkt "Blödsinn" sei.

Nach Ansicht von Friedrich Schellmoser, Medien-Analyst bei der HypoVereinsbank, befindet sich EM.TV auf dem Weg, wieder ein interessantes Unternehmen zu werden. "Die Insolvenz ist seit einem halben Jahr kein Thema mehr. Ich denke, es war ein Fehler, dass die Masse der Analysten EM.TV bereits abgeschrieben hat." Auch die Merchandising-Rechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wertet Schellmoser als positives Signal: "Hier werden schon ab nächstem Jahr Umsätze erreicht werden". Dennoch will der Analyst bisher nicht zum Kauf der Aktie raten. Dazu müsste das EM.TV-Management erst noch die Beteiligung an der Jim Henson Company verkaufen und die Einnahmen daraus in sinnvolle Geschäfte investieren.