Endesa-Kauf E.on will globale Nummer eins werden
Düsseldorf - Der spanische Marktführer Endesa sei eine "sehr attraktive Gelegenheit zum Einstieg in den iberischen Markt", sagte E.on-Chef Wulf Bernotat heute in einer Telefonkonferenz. Mit dem Zusammenschluss will der deutsche Marktführer nach eigenen Angaben zum weltweit führenden Strom- und Gasunternehmen mit über 50 Millionen Kunden in mehr als 30 Ländern aufsteigen. Die 29 Milliarden Euro schwere Übernahme wäre die teuerste in der Unternehmensgeschichte, sagte Bernotat.
Die Fusion biete die Möglichkeit, in die iberischen und südamerikanischen Märkte vorzustoßen, erklärte der Manager. Geplant sei der Aufbau einer für Südeuropa und Lateinamerika zuständigen Einheit, die dann der größte Gewinnbringer in der E.on-Gruppe werden soll. Der Sitz der Gesellschaft werde Madrid sein, hieß es.
"Diese Transaktion bringt nicht nur E.on in eine neue Dimension. Auch für Endesa und ihre Mitarbeiter bietet sie entscheidende Vorteile", sagte Bernotat. Er versprach, dass das Unternehmen als Ganzes erhalten bleibe und die spanischen Verbraucher von dem Zusammenschluss profitieren würden. Der E.on-Chef rechnet nicht mit Einwänden der Kartellbehörden: "Wir erwarten keine Schwierigkeiten, weil es praktisch keine überlappenden Aktivitäten beider Unternehmen gibt."
E.on als "weißer Ritter"
E.on hatte am Vormittag gemeldet, den ehemaligen Staatskonzern Endesa für rund 29,1 Milliarden Euro kaufen zu wollen. Geboten werden 27,50 Euro je Aktie in bar. Die Offerte liegt über dem des spanischen Konkurrenten Gas Natural, der bereits im Herbst ein Angebot vorgelegt hat.
Bernotat erwartet nach seinem Übernahmeangebot eine freundliche Reaktion des Managements. Es habe bereits zahlreiche Gespräche in positiver Atmosphäre gegeben, berichtete der Konzernchef. Endesa hatte gegen die feindliche Übernahme durch Gas Natural vor dem Obersten Gerichtshof Spaniens geklagt, war aber unterlegen. E.on springt nun als sogenannter "weißer Ritter" ein.
Insgesamt würde das Geschäft E.on nach eigenen Angaben sogar 55,2 Milliarden Euro kosten. Dabei eingerechnet sind Nettofinanzverbindlichkeiten, Rückstellungen und Minderheitsbeteiligungen von Endesa in Höhe von rund 26,1 Milliarden Euro. Der Düsseldorfer Konzern strebt eine vollständige Übernahme an, als Mindestziel gab E.on eine Mehrheit von 50,01 Prozent bei dem spanischen Unternehmen an.
Die Übernahme soll mit einer neuen, von HSBC, Citigroup, JP Morgan und Deutsche Bank bereitgestellten Kreditlinie sowie durch Eigenmittel finanziert werden. Ein Verkauf von Unternehmensteilen sei nicht vorgesehen, sagte Bernotat.
E.on hat die Kassen für eine Übernahme prall gefüllt: Der Konzernüberschuss lag im vergangenen Jahr nach Steuern und Anteilen Konzernfremder bei 7,4 Milliarden Euro und damit mehr als 70 Prozent über dem Vorjahresniveau, wie E.on heute bekannt gab. Auch Endesa wirtschaftet äußerst erfolgreich: Mitte Januar hatte der Konzern ein Rekordergebnis von 3,18 Milliarden Euro verkündet.
suc/AFP/dpa