Endesa-Übernahme Analysten kritisieren E.ons Nachschlag
Düsseldorf/Madrid - Nachdem die Düsseldorfer unerwartet Konkurrenz vom spanischen Baukonzern Acciona bekommen haben, hatte E.on sein Angebot gestern Abend um rund 38 Prozent auf 35 Euro je Aktie erhöht. Der Gesamtpreis würde sich damit auf insgesamt 37 Milliarden Euro erhöhen. E.on-Chef Wulf Bernotat würde sogar auch andere Großaktionäre akzeptieren, "so lange E.on Endesa kontrolliert.
Analysten wie Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz kritisierten das Angebot als vorschnell und zu hoch. Der Nachschlag mache es für Acciona zwar schwieriger, E.on Steine in den Weg zu legen, hieß es auch bei Credit Suisse. "Die Übernahmeschlacht um Endesa ist aber noch nicht zu Ende", sagte ein Händler.
An der Börse sorgte die Nachricht für eine Verkaufswelle. Die E.on-Aktie rutschte bei regem Handel gegen den Trend um bis zu 2,2 Prozent ab, erholte sich aber bis 15.30 Uhr wieder auf 93,40 Euro - ein Minus von 0,73 Prozent.
"Wir wollten ein klares Zeichen setzen, damit jeder versteht, dass wir es ernst meinen", rechtfertigte Bernotat den Zuschlag. Zum Zeitpunkt der Entscheidung am gestern Abend habe der Endesa-Kurs bereits über 32 Euro notiert. "Zudem hatten wir uns schon im Vorfeld unseres ersten Gebotes einen großen Spielraum eingeräumt, sollten sich die Umstände ändern", sagte Bernotat. "Jetzt haben sich die Umstände geändert."
Der spanische Baukonzern Acciona hatte gestern überraschend mitgeteilt, zehn Prozent an Endesa für 3,4 Milliarden Euro erworben zu haben, was einem Kaufpreis von 32 Euro je Aktie entspricht. Acciona teilte zudem mit, den Anteil möglicherweise auf knapp 25 Prozent aufstocken zu wollen. Unklar ist, was der Konzern mit dem Einstieg bei Endesa bezweckt. Entweder wollen die Spanier ihr Aktienpaket möglichst teuer an E.on verkaufen oder die Übernahme torpedieren. Böse Zungen behaupten, der Aktienkauf sei von der spanischen Regierung angeschoben worden, was umgehend dementiert wurde. Acciona habe inzwischen Interesse an Gesprächen mit E.on angedeutet, sagte Bernotat.
Gestern hatte die EU-Kommission als oberste Wettbewerbsbehörde die von den spanischen Behörden verhängten Auflagen für das geplante Milliardengeschäft für null und nichtig erklärt. Die spanische Regierung, die von Beginn an versucht hatte, die Übernahme des größten spanischen Energieversorgers durch E.on zu verhindern, hatte unter anderem verlangt, dass die Deutschen nach der Fusion mehrere Kraftwerke verkaufen, obwohl Brüssel bereits grünes Licht ohne Auflagen gegeben hatte.
Hintergrund ist, dass Madrid den strategisch bedeutsamen Energiesektor unter nationaler Kontrolle behalten will. Allerdings signalisierte Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero zuletzt Kompromissbereitschaft.
mik/AFP