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BANKEN Endlich Geschäfte

Viele Großsparkassen haben ehrgeizige Pläne. Sie wollen den engen Verbund mit ihren Landesbanken aufhundigen.
• aus DER SPIEGEL 49/1978
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Chef der Stuttgarter Landessparkasse, Walther Zügel, sagte es öffentlich: »Es ist doch im Prinzip absurd, für ein Institut zu haften, auf das man keinen maßgeblichen Einfluß nehmen kann«, erregte sich der Bankier während einer von Sparkassenpräsident Helmut Geiger moderierten Podiumsdiskussion des Verbandes. Gemeint waren die Landesbanken.

»Wenn wir schon mithaften, dann wollen wir auch endlich Geschäfte machen«, fand auch Fritz Kulins, Chef der Düsseldorfer Stadt-Sparkasse und zugleich Sprecher des sogenannten Rheinzirkels, der die gemeinsamen Geschäftsinteressen von 21 Milliarden-Instituten zwischen Bonn und Duisburg koordiniert.

Die Sparkassen sind vor allem an einem Vorrecht interessiert: Sie wollen sich einen direkten Zugang zur Deutschen Girozentrale (DGZ) verschaffen, um am Bankplatz Frankfurt, aber auch am europäischen Finanzzentrum Luxemburg mitzumischen.

Formal gehört die Girozentrale ohnehin weitgehend den Sparkassen: Je zur Hälfte liegt das DGZ-Kapital bei den regionalen Sparkassendachverbänden und bei den Landesbanken, die ihrerseits in der Regel zur Hälfte den Sparkassen gehören. Doch bislang sind die 611 Einzelkassen per Gesetz von fast allen Finanzgeschäften mit ihrem Spitzeninstitut ausgeschlossen, obwohl im Ernstfall sie selbst und nicht die von ihnen finanzierten Regionalverbände haften würden.

Die auf einträgliche Geldgeschäfte und auf internationale Konsortialkredite spezialisierten DGZ-Manager kooperieren bisher fast ausschließlich mit den Landesbanken -- obwohl die Landesbankiers lieber das Wachstum des eigenen Instituts als den Ausbau der DGZ vorantrieben.

Ungeduldig warteten derweil die Vorstände der überaus liquiden und zum Teil auch gewichtigen Sparkassen auf »die längst fällige Öffnung der Deutschen Girozentrale« (so ein süddeutscher Sparkassenboß). Vorsorglich verabredeten die Chefs von zwölf der ansehnlichsten Institute etwas Neues. Sie wollen eine sogenannte Sammelanleihe mit festem Zins und langer Laufzeit anbieten.

Die Landesbanken sollen dabei nur noch bei der Markteinführung und der Kursregulierung eingeschaltet werden. Wird dieser auf 50 bis 100 Millionen Mark geschätzte Anleiheplan von der nächsten Großsparkassen-Konferenz

»Die Dämme brechen, denn die Großsparkassen sind kaum noch aufzuhalten«, warnte deshalb der Chef der Westdeutschen Landesbank Johannes Völling. Und Kollege Adolf Kracht von der Norddeutschen Landesbank appelliert an die Solidarität der ganzen Gruppe: »Der Nutzen für den allergrößten Teil der Sparkassen wäre verschwindend gering. Der Schaden für die Girozentralen aber ganz erheblich.«

Die Aufregung ist verständlich: Gerade die bislang allein von ihnen gelenkten Spargeldströme der Kassen haben in den letzten Jahren den Landesbankiers zu Ansehen und Einnahmen verholfen.

Dank dieser Milliarden-Einlagen hatten sie überhaupt erst wirkungsvoll in den Geldhandel mit den Großbanken und Privatbankiers einsteigen und ein volles Programm bieten können: Kredite an die ersten Industrieadressen, Beteiligung an Anleihekonsortien auch im Ausland, Abwicklung von Beteiligungsdevisen- und Börsengeschäften aller Art und großen Stils.

Noch vor zehn Jahren überließen viele Sparkassen-Manager alle größeren Kreditfälle den Girozentralen und beschränkten sich weitgehend auf ortsgebundene Geldgeschäfte.

Auch beim Wechsel der ehrgeizigen Landesbankiers vom klassischen Kommunal- und Landeskredit ins expansive Universalbankgeschäft spielten die Kassen brav und folgsam mit. Noch vor drei Jahren gelang es den Landesbankern, Abkommen mit den Kassen ihrer Region auszuhandeln, in denen sich die Partner gegenseitige Geld- und Liquiditätshilfe versprachen -- ein Gelöbnis, das fast ausschließlich den zentralen Instituten nützt.

Zugleich banden sie die Sparkassen noch enger an sich. Der frühere WestLB-Chef Ludwig Poullain etwa handelte den Kassen von Rheinland und Westfalen in einem fünfseitigen Geheimabkommen die Zusage ab, ihre »Gelder nicht bei anderen Kreditinstituten anzulegen«.

Die Landesbanken revanchierten sich mit vergleichsweise billigen Zusagen wie dem Versprechen, die Anlage von Termingeldern zu marktgerechten Konditionen zu vergüten.

Beim Bielefelder Treffen der 26 »Bundesliga«-Kassen Anfang November fragte der Chef der Stadtsparkasse Dortmund, Hermann Otto, ungeduldig: »Wie können unsere Verbandsfunktionäre überhaupt noch die Interessen der Großsparkassen gegenüber den Landesbanken verteidigen?«

Kritik übten die Kassenmanager vor allem an dem aggressiven Abwerben kommunaler und privater Kreditnehmer durch die Landesbanken. »Die unterbieten uns ständig bei großen Kunden«, schimpfte Otto, »und nehmen uns damit wichtige Geschäfte ab.«

Noch größere Sorge bereitet den 611 Sparkassenchefs' die inzwischen ein Kreditvolumen von über 260 Milliarden Mark steuern, daß manche Landesbanken ihren Sparkassen im Ernstfall die zugesagte Liquidität überhaupt nicht voll und sofort zur Verfügung stellen können.

Da nämlich einige Staatsbanken die ihnen zugeflossenen Spargelder in langlaufende Wertpapiere und Kapitalanlagen umgeleitet haben, könnte es nach Ansicht vorsichtiger Experten gelegentlich an rasch abrufbarem Bargeld fehlen.

Die Sorge scheint nicht unbegründet. Nach einer Verbandsanalyse ist nur die WestLB hinreichend flüssig; bei den anderen zehn Landesbanken klafft eine Liquiditätslücke von mehr als fünf Milliarden Mark.

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