Energie 2007: Wo der Strom teurer wird – und wo nicht - DER SPIEGEL
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Energie 2007 Wo der Strom teurer wird – und wo nicht

Millionen Verbraucher in Deutschland müssen zum Jahreswechsel mit einem weiteren Anstieg der Strompreise rechnen: Mehr als 400 Stromversorger haben bei den zuständigen Behörden Preiserhöhungen beantragt. Es gibt aber auch einige Regionen, in denen die Kunden aufatmen können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Erfahrungsgemäß dürfte der Löwenanteil der Erhöhungsanträge - wenn auch mit Abstrichen - genehmigt werden. Während die Mineralöl- und die Gaspreise ihren Höhepunkt erst einmal überschritten zu haben scheinen, geht der Anstieg der Strompreise damit in weiten Teilen Deutschlands weiter.

Allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wollen nach Angaben des zuständigen Wirtschaftsministeriums 117 Stromversorger zum Jahreswechsel mehr Geld, in Rheinland-Pfalz 64, in Niedersachsen 56, in Hessen 46, in Sachsen 39 und in Brandenburg 23. Nicht selten sind die beantragten Erhöhungen zweistellig. Die Konzerne begründen die Preissteigerungen vor allem mit den gestiegenen Strom-Beschaffungskosten. Immerhin haben sich diese seit 2005 um 45 Prozent erhöht.

"Grundübel ist das enge Oligopol auf dem Erzeugermarkt", schimpft deshalb etwa der Mainzer Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD): "Solange vier große Konzerne den Markt bestimmen, ist mit weiter steigenden Strompreisen zu rechnen." Doch bemühen sich die Aufsichtsbehörden inzwischen gegenzusteuern.

"Wir haben mit Blick auf die berechtigten Interessen der Verbraucher außerordentlich restriktiv geprüft", betonte etwa die Düsseldorfer Wirtschaftsministerin Christa Thoben. So wurde ein Antrag der Eon  -Westfalen Weser AG Thoben zufolge um mehr 63 Prozent gekürzt. Eine Ohrfeige für den Energieversorger - allerdings mit begrenzter Wirkung. Denn trotz der Kürzung steigen für die knapp 600.000 Kunden des Unternehmens netto um knapp 5,8 Prozent.

Huber: Mehr Wechselbereitschaft notwendig

Dass es auch anders geht, zeigen Beispiele aus dem Norden und aus dem Süden der Republik. In Schleswig-Holstein haben die 44 regionalen Stromversorger nach Angaben des Wirtschaftsministeriums für den Jahreswechsel keine Preiserhöhungen angekündigt. Lediglich die Mehrwertsteuererhöhung werde an die Abnehmer weitergereicht. Dabei zahlen die Verbraucher an der Küste schon heute der Genehmigungsbehörde zufolge die drittniedrigsten Strompreise bundesweit.

Schon bei der letzten Preisrunde Mitte 2006 sei mit den Stromanbietern vereinbart worden, die Nettostrompreise bis Ende 2007 stabil zu halten, berichtete das Ministerium. Und auch für die Zukunft ist man im Norden zuversichtlich: "Durch den Bau von zwei neuen Kraftwerken in Schleswig-Holstein wird der Wettbewerb schärfer, was dazu beiträgt, den Strompreis langfristig zumindest stabil zu halten", sagte Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU).

Aber auch in Bayern können sich viele Verbraucher über Ruhe an der Preisfront freuen. "Während in nahezu allen Ländern deutliche Preiserhöhungen genehmigt werden, wird für über 70 Prozent der bayerischen Verbraucher der Netto-Strompreis auch nach dem Jahreswechsel stabil bleiben", erklärte Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber.

Die drei großen bayerischen Regionalversorger E.on Bayern AG, LEW AG und N-Ergie AG sowie 33 weitere bayrische Stromversorger hätten sich bereit erklärt die Netto-Strompreis bis Mitte 2007 oder sogar bis zum Jahresende stabil zu halten, berichtete der Minister. In einigen Fällen werde es sogar zu Preissenkungen kommen.

Doch liegt es nicht nur an den Genehmigungsbehörden, ob der Strompreisanstieg endlich gebremst wird. Viel kann auch der Verbraucher bewirken. Der bayerische Wirtschaftsminister Huber etwa appellierte an die Verbraucher: "Echter Wettbewerb wird sich nur einstellen, wenn auch der Souverän, der Kunde, seine Marktmacht einsetzt. Bisher gibt es bei den Haushalten nur etwa zwei Prozent Wechsler. Das ist für einen funktionierenden Wettbewerb zu wenig." Statt einseitig auf den Staat zu hoffen, müssten die Verbraucher durch Preisvergleich und gegebenenfalls den Wechsel des Anbieters den Wettbewerb selbst anheizen, empfahl der CSU-Politiker.

Erich Reimann, AP

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