Energie: Experte befürchtet weitere Stromausfälle - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Energie Experte befürchtet weitere Stromausfälle

Der Stromausfall vom Wochenende ist nach Überzeugung des Spannungstechnikers Armin Schnettler nur das Indiz für eine chronische Überbelastung des gesamten Netzes. Europas Stromkunden könnten künftig öfter als bisher ohne Elektrizität bleiben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Schnettler, Direktor am Institut für Hochspannungstechnik an der RWTH Aachen, sagte der Wochenzeitung "Die Zeit", die Wahrscheinlichkeit für Stromausfälle wie am vergangenen Wochenende steige systematisch, weil das Netz zunehmend zweckentfremdet genutzt werde.

Das heutige Stromnetz sei im Wesentlichen lange vor der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 gebaut worden, um Elektrizität von einem Kraftwerk über vergleichsweise kurze Strecken zu den Kunden zu transportieren. Seit der Öffnung des Strommarktes müssten die Leitungen jedoch viel mehr Strom über weite Strecken in ganz Europa transportieren. "Für solche Transporte sind die Leitungen nicht ausgelegt", sagte Schnettler.

Vor allem Stromhändler sorgten für Hochbetrieb auf europäischen Stromtrassen, sagte der Netzexperte weiter. Durch den stetig wachsenden Handel, der mehr und mehr Strom über größere Strecken quer durch Europa fließen lässt, reduzierten sich gleichzeitig die Zeiten, in denen die Leitungen etwa zur Wartung abgeschaltet würden. Das wiederum verlängere den Einsatz der Netze. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit größerer Ausfälle - obwohl die Qualität der Leitungen selbst sehr gut sei. Schnettler forderte, neue Trassen zu bauen, um das Netz engmaschiger und stabiler zu machen.

mik/ddp