Energie-Gipfel Verbraucher wollen mitreden
Hamburg - "Jeder Bürger ist von den Strompreiserhöhungen betroffen", sagte Marnette, der auch Vorstandschef des energieintensiven Kupferherstellers Norddeutsche Affinerie (NA) ist.
Privathaushalte hätten allein in Hamburg in den vergangenen vier Jahren Erhöhungen von 35 Prozent verkraften müssen. "Und keiner weiß, wohin sich die Energiepreise entwickeln", sagte Marnette. Für die Betriebe führe das zu Planungs- und Investitionsunsicherheit und schließlich zur Verlagerung energieintensiver Projekte ins Ausland. Der NA-Chef mahnte neben der Beteilung der Großindustrie an den Gesprächen auch die des Handwerks an.
Marnette begrüßte, dass sich der Kanzler in die Energiediskussion einschaltet. "Die hohen Energiepreise sind eine Schwerlast für den Wirtschaftsstandort Deutschland und gefährden weiteres Wachstum." Hunderttausende Arbeitsplätze könnten verloren gehen. "Das ist die bittere Realität des globalen Wettbewerbs", sagte Marnette. Er forderte den Kanzler auf, das Energiewirtschaftsgesetz möglichst schnell auf den Weg zu bringen und zuvor die groben Fehler darin auszumerzen. "Wenn das Gesetz die Handschrift der Versorger trägt, geht es schief."
Marnette verlangte - wie im Bereich der Telekommunikation - erneut eine Wettbewerbsaufsicht, die vorab geplante Preiserhöhungen der Stromversorger prüft. Der Regulierer dürfe kein zahnloser Tiger sein. "Wenn wir ihn Mitte nächsten Jahres haben, können wir uns glücklich schätzen", meinte Marnette. Bis dahin würden noch dicke Bretter in der Energiewirtschaft gebohrt werden müssen. "Aber ich lasse nicht nach", sagte der BDI-Vertreter.
Er forderte, dass die Netzdurchleitungsgebühren transparent gemacht werden und sich an Effizienzkriterien orientieren. "Das muss vom Kanzler angeschoben werden." Gleichzeitig müsse Schröder auch selbstkritisch sehen, dass der Staat mit Maßnahmen wie der Überförderung der Windenergie, der Ökosteuer und dem Emissionshandel zu den Strompreissteigerungen beigetragen habe. "Wir müssen die Versorger dahin bringen, dass wir im internationalen Vergleich wettbewerbsfähige Strompreise bekommen", resümierte Marnette.