Energie Russland droht Gas-Engpass
Moskau - Das im Jahr 2007 zu erwartende leichte Defizit von 4,2 Milliarden Kubikmeter Gas könne unter den gegenwärtigen Umständen bis 2010 auf 27,7 Milliarden Kubikmeter ansteigen, schreibt die Moskauer Tageszeitung "Wedomosti" unter Berufung auf einen internen Bericht des Energieministeriums für Präsident Wladimir Putin. Ursache sei vor allem die starke Inlandsnachfrage, die auf Grund veralteter Produktionstechnik des Branchenriesen Gasprom nicht bedient werden könne.
Russland kann nach Expertenschätzungen 2007 über knapp 730 Milliarden Kubikmeter Gas inklusive der Exporte aus Zentralasien verfügen. Auf den Export entfielen im Vorjahr 153 Milliarden Kubikmeter. Die Führung des vom Kreml kontrollierten Gasprom-Konzerns versucht seit längerem, höhere Gaspreise auf dem russischen Binnenmarkt durchzusetzen. Russische Verbraucher zahlen in diesem Jahr im Schnitt 36 Euro je 1000 Kubikmeter Gas. Damit kostet Gas als Brennstoff für die Heizkraftwerke deutlich weniger als Kohle oder Heizöl. Zum Vergleich: Nach Europa liefert Gazprom in diesem Jahr zum Durchschnittspreis von 195 Euro je 1000 Kubikmeter Gas. Größtes Problem für Gasprom sind die zu geringen Wachstumsraten.
Im Vorjahr stieg die Fördermenge nur um 0,5 Prozent auf 548 Milliarden Kubikmeter. In Russland wächst zugleich der Energieverbrauch jährlich um mehr als fünf Prozent. Kritiker werfen Gasprom vor, durch die Übernahme von Konkurrenten die Bilanz aufzubessern, statt neue Gasfelder zu erschließen.
Dem Bericht zufolge müsste der Gasprom-Konzern bis zum Jahr 2011 etwa 235 Milliarden Euro in die Modernisierung seiner Technik investieren, um die Versorgungslücke zu schließen. Das Moskauer Institut für Energiepolitik erwartet für 2010 sogar einen Engpass von 100 Milliarden Kubikmeter. Das entspräche in etwa dem jährlichen Gasverbrauch in Deutschland.
tim/dpa-AFX