Energiedebatte Gabriel sperrt sich gegen AKW-Ausbau
Berlin - "Wenn wir unabhängiger werden wollen von Importen, dann ist jedenfalls der Weg in die Kernenergie der falsche Weg", sagte Gabriel heute im Deutschlandfunk. Auch Uran müsse importiert werden. Es sei keine besonders kluge Strategie, die Abhängigkeit vom Gas durch eine noch größere Abhängigkeit vom Uran zu ersetzen.
Nötig sei der Ausbau erneuerbarer Energien und effektiveres Energiesparen. "Wenn wir alle unsere Stand-by-Geräte in Deutschland abschalten würden, und nicht einen minimalen Stromverbrauch bei diesen Stand-by-Geräten akzeptieren würden, dann könnten wir alleine deshalb schon zwei Atomkraftwerke abschalten", sagte Gabriel, der heute seine langfristigen Pläne zur Energieversorgung in Deutschland erläutern will.
Man müsse sich von der Vorstellung verabschieden, man müsse bei der Energieversorgung unabhängig werden, forderte der SPD-Politiker. "Was wir brauchen, ist eine Vertragssicherheit, dazu gibt es eine Reihe von Verabredungen der G8-Staaten, es gibt dazu übrigens auch von Russland selbst eingeladene Konferenzen."
Damit stellt sich Gabriel gegen Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Glos hatte gefordert, auf der Kabinettsklausur in der nächsten Woche die Zukunft der Atomkraftwerke zu diskutieren. Dem Wirtschaftsminister ging es dabei auch um längere AKW-Laufzeiten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte allerdings gestern Vorstöße aus der CSU zurückgewiesen, den im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Ausstieg aus der Atomenergie zu überdenken.
Die Debatte ausgelöst hatte der russisch-ukrainischen Gasstreit. Russland hatte die Gaslieferungen an die Ukraine zwischenzeitlich gestoppt. Auch Deutschland bezieht einen großen Teil seines Gases aus russischen Quellen.