Energiegipfel: Industrie fordert Milliardenprogramm - DER SPIEGEL
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Energiegipfel Industrie fordert Milliardenprogramm

Vor dem Energiegipfel bringen sich die Parteien in Stellung: Die Elektroindustrie fordert mehr Geld, sonst seien die Klimaschutzziele der Kanzlerin unerreichbar. Die Ökostrombranche beharrt auf genau diesen Zielen - und beschwört Merkel, den Stromkonzernen nicht nachzugeben.
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Berlin - "Ohne staatliche Anreize seitens der Bundesregierung bleiben die geplanten Energie-Effizienzsteigerungen ein reines Wunschkonzert", sagte Vorstandsmitglied Kurt-Ludwig Gutberlet vom Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie heute, einen Tag vor dem Energiegipfel in Berlin. Das jetzige Stromnetz ist nach Ansicht des Verbands nicht dafür ausgelegt, dass mehr Windanlagen auf hoher See entstehen und muss mit Investitionen von mindestens 13 Milliarden Euro ausgebaut werden.

Die Elektroindustrie fordert außerdem ein Anreizprogramm für sparsame Kühlschränke in Höhe von 150 Millionen Euro bis 2009. Der Marktanteil effizienter Kühlgeräte liege bei nur vier Prozent, sagte Gutberlet, der Vorstandschef der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH ist. Die Branche rechnet längerfristig zudem mit einem praktischen Verbot der herkömmlichen Glühlampe durch EU-Grenzwerte. Der Verband schlug eine monatliche Stromrechnung vor, damit die Verbraucher besser Energie sparen können. Die Straßenbeleuchtung müsse über Investitionen und ein KfW-Kreditprogramm moderner werden. 30 Prozent der Beleuchtung stammten aus den 1960er Jahren.

Gleichzeitig kündigte die Ökostrombranche an, bis 2020 mindestens 35 Prozent des deutschen Strombedarfs decken zu wollen - weit mehr, als bislang von der Regierung angenommen. Der Bundesverband Erneuerbare Energien forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, trotz Protesten von Energiewirtschaft und Industrie an ihren ehrgeizigen Zielen für Klimaschutz und Erneuerbare Energien festzuhalten. Sie seien realistisch und brächten nicht steigende, sondern sinkende Strompreise mit sich, erklärte der Verband.

Der Verband bekräftigte zudem seine Zusage, bis 2020 die Zahl der Arbeitsplätze der Branche auf 500.000 zu verdoppeln und 200 Milliarden Euro zu investieren. Ein Anteil beim Strom von mindestens 35 Prozent und von 20 Prozent beim Energiebedarf insgesamt sei sehr realistisch, sagte Verbandsgeschäftsführer Milan Nitzschke. Bislang geht die Regierung von höchstens 27 Prozent beim Strom und knapp 17 Prozent beim Gesamtenergiebedarf aus.

"Große Energieversorger fürchten um üppige Gewinne"

Die Erneuerbaren könnten damit die 14 Atomkraftwerke ersetzen, die bis 2020 vom Netz gingen, sowie 18 von 21 geplanten Kohlekraftwerken. Ein höherer Anteil an erneuerbaren Energien werde den Strompreis drücken, sagte Nitzschke. Denn das verstärkte Angebot werde dazu führen, dass besonders teure konventionelle Kraftwerke nicht oder weniger liefen. Damit geriete das Strompreisniveau insgesamt ins Rutschen. Bei den beschriebenen Ausbauzielen würde der Strompreis um acht Prozent sinken, so der Verbandsvertreter.

Das Problem, dass Strom aus Wind und Sonne nicht immer verfügbar sind, will die Branche durch Vernetzung mit Biogaskraftwerken und Pumpspeichern lösen. Nitzschke sprach vom "regenerativen Kombikraftwerk", das per Computer die verschiedenen Quellen zusammenschaltet. "Damit lässt sich der Atomausstieg ebenso umsetzen wie das 40-Prozent-Ziel der CO2-Reduktion", sagte Ulrich Schmack, Vorstand der Schmack Biogas AG. Die Quote von Energieimporten könnte von heute gut 74 Prozent auf 60 Prozent vermindert werden, rechnete Schmack vor.

Frank Asbeck, Chef von Solarworld  , wie Schmack Teilnehmer des Energiegipfels, betonte, die Einwände der großen Energieversorger seien nur darin begründet, dass sie um ihre üppigen Gewinne fürchteten. "Den etablierten Energieversorgern geht es nur darum, das 'goldene Ende' ihrer alten Atom- und Kohlekraftwerke möglichst weit zu verlängern", meinte Asbeck. "Hier darf die Kanzlerin nicht nachgeben."

sam/dpa-AFX/AP