Energiemarkt Kartellamtschef verspricht Preissenkungen
Düsseldorf - Böge hatte in den vergangenen Monaten eine Reihe von Verfahren eingeleitet, die die Energiemärkte betreffen. Besonders die Lieferverträge, mit denen die E.on-Tochter Ruhrgas Stadtwerke und Regionalversorger langfristig an sich gebunden hat, sind dem Kartellamtschef ein Dorn im Auge. Nun will er das Problem kurzfristig lösen. "Eine Entscheidung bei den Gaslieferverträgen steht bevor", sagte Böge dem "Handelsblatt". Er sei zuversichtlich, dass es noch bis Ende September im Eilverfahren eine sofort vollziehbare richterliche Entscheidung in seinem Sinne geben werde.
Auch die Entwicklung der Strompreise beobachtet Böge mit Sorge. "Viele Unternehmen sind von einem Strompreisniveau betroffen, das sie in Existenznot bringt", sagte er. Böge wünscht sich mehr Wettbewerb im Strommarkt, der im Wesentlichen von den vier großen Anbietern E.on, RWE, Vattenfall und EnBW beherrscht wird. "Der hohe Konzentrationsgrad unter den Stromerzeugern und hohe Hürden für neue Anbieter tragen ganz erheblich zu den hohen Strompreisen bei", kritisiert Böge.
E.on-Chef Wulf Bernotat wies die Vorwürfe zurück. "Marktmacht an sich ist doch nichts Unzulässiges. Das Einzige, was das Kartellamt beanstanden kann, ist ein Missbrauch von Marktmacht. Und in diesem Punkt haben wir eine andere Auffassung als das Kartellamt", sagte er der Zeitung.
Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will den Wettbewerb ankurbeln. Doch dafür fehle ein höheres Stromangebot. "Wir brauchen Kraftwerksneubauten und hier erwarte ich nicht nur weitere belastbare Aussagen aus der Wirtschaft, sondern konkrete Taten."
Der Forderung nach dem Neubau von Kernkraftwerken erteilte Bernotat jedoch eine eindeutige Absage. "Der Bau neuer Anlagen ist sicherlich kein Thema", sagte Bernotat dem "Handelsblatt". Man müsse jedoch ernsthaft darüber reden, ob es nicht sinnvoll ist, die sehr sicheren Kraftwerke länger laufen zu lassen, als es nach der derzeit gültigen Vereinbarung möglich ist.