Energienot: Strombörse meldet drastischen Preisanstieg - DER SPIEGEL
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Energienot Strombörse meldet drastischen Preisanstieg

Der niedrige Wasserstand in den Flüssen und die Erwärmung durch die lang anhaltende Hitze macht den Stromproduzenten immer mehr zu schaffen. Entsprechend nervös reagieren die Märkte. An der Leipziger Strombörse EEX lässt sich das gut ablesen.
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Leipzig/Berlin - Am Spotmarkt, der den kurzfristigen Bedarf deckt, erreichte der Durchschnittspreis (Phelix Day Base) 301,54 Euro pro Megawattstunde (MWh) für den 27. Juli das bisherige Jahreshoch. Die Spotmarktpreise lagen damit teils um 500 Prozent höher als noch vor einem Monat. Auch am Terminmarkt zog der Preis für Jahres-Futures von rund 40 Euro vor einem Jahr auf knapp 56 Euro am 26. Juli 2006 an. Eine Sprecherin der Börse wies allerdings darauf hin, dass die Preise an der Strombörse traditionell sehr stark schwanken.

Hintergrund der Preissprünge an der Börse sind Produktionsausfälle in erster Linie von Atomkraftwerken. Unter anderen hatte E.on   das Kraftwerk Unterweser wegen der niedrigen Wasserstände in der Leistung drosseln müssen. Probleme hätten nicht nur die deutschen Produzenten, auch die Situation in Frankreich schlage auf Deutschland durch. "Es gibt keinen günstigen Atomstrom aus Frankreich." Auch die polnischen Energieexporteure hätten Lieferprobleme. Vor dem Hintergrund dieser angespannten Lage reagiere der Markt nervös. "Das drückt die Preise höher, als mit der realen Situation zu begründen ist", sagte Börsenanalyst Steffen Sacharowitsch.

Die European Energy Exchange EEX war nach der Fusion der Frankfurter Strombörse und der Leipziger Strombörse entstanden und im Jahr 2002 gestartet. Die EEX betreibt einen Spot- und einen Terminmarkt für Strom und CO2-Emissionsberechtigungen. An der Börse handeln 149 Unternehmen aus 19 europäischen Ländern. Im vorigen Jahr erreichte das Handelsvolumen am Spotmarkt 86 Terawatt. Das entspricht 17 Prozent des deutschen Jahresstromverbrauchs.

Endpreise vorerst stabil

Verbraucher müssten sich aber vorerst keine Sorgen machen, betonte der Verband der Deutschen Elektrizitätswirtschaft heute in Berlin. Die Börsenpreise schlügen nicht unmittelbar auf die Kosten für Endkunden durch, sagte Verbandssprecher Frank Brachvogel. Der Spotpreis gebe nur Auskunft über das kurzfristige Geschäft. Doch arbeiteten die Energieversorger in aller Regel mit langfristigen Beschaffungsverträgen. Folglich hätten die kurzfristigen Preissprünge keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Haushaltskunden. Sollten die Börsennotierungen auch nach der Sommerspitze über mehrere Monate hoch bleiben, könne dies jedoch auf die Haushaltspreise durchschlagen.

Vom heißen Sommerwetter in Mitleidenschaft gezogen seien grundsätzlich drei Kraftwerktypen, nämlich Kernkraft mit Flusswasserkühlung, Wasserkraft und Windkraft. In Deutschland mache sich der breite Energiemix bezahlt, denn reduzierte Kapazitäten an einer Stelle würden durch andere Kraftwerke aufgefangen, sagte Brachvogel. Man sei nicht so stark betroffen wie etwa Frankreich mit seinem hohen Anteil an Kernkraft.

Der Stromverbrauch wird durch besonders große Sommerhitze nach Angaben des VDEW übrigens in geringerem Maße in die Höhe getrieben als allgemein angenommen, das zeigten die Erfahrungen mit dem Jahrhundertsommers 2003. Zwar wurde mehr Strom für Kühlgeräte gebraucht; doch werde dieser Effekt durch verändertes Verhalten - zum Beispiel der häufige Aufenthalt im Freien - weitgehend kompensiert. Insgesamt, so Brachvogel, sei der Verbrauch während der Hitzperiode nur um ein Prozent gestiegen.

mik/dpa/AP