Energieriese Gasprom kündigt kräftiges Preis-Plus an
Berlin - Die Preiserhöhungs-Ankündigung von Gasprom für 2008 fällt stattlich aus. "Wenn wir die Prognosen für den Preis von Ölprodukten zugrunde legen, die die Basis für unsere Preisformel bilden, werden es ungefähr 350 Dollar je 1000 Kubikmeter sein", sagte Alexander Medwedew, Vize-Vorstandsvorsitzender von Gasprom, der "Welt". 2007 lag der Preis dem Bericht zufolge im Durchschnitt bei 250 Dollar, zuletzt betrug er 300 Dollar.
In den vergangenen Tagen hatte es Aufregung über neue Preiserhöhungen der Gasversorger zum Jahreswechsel gegeben. Den Statistiken des Verbraucherportals Verivox zufolge (siehe Foto und Tabellen unten) müssen die Kunden im Schnitt 5,8 Prozent mehr bezahlen.
Gasprom deckt rund ein Viertel des europäischen Erdgasverbrauchs, in Deutschland sogar 40 Prozent. Befürchtungen, Gasprom fördere zu wenig Erdgas, um die Nachfrage im Westen dauerhaft zu befriedigen, wies Medwedew in dem Interview zurück. "Wir fördern genauso viel Erdgas, um unsere Binnennachfrage zu decken und unsere internationalen Verpflichtungen zu erfüllen. Im Unterschied zur Sowjetzeit fördern wir so viel Gas wie wir benötigen." Gasprom bleibe seinem Prinzip treu, dass Gas erst verkauft werden müsse, um dann gefördert zu werden.
Am Dienstag nehmen Gasprom und die BASF -Tochter Wintershall offiziell die Erdgasförderung des sibirischen Feldes Juschno-Russkoje auf. Dort gefördertes Gas soll von 2010 an durch die Ostseepipeline nach Deutschland fließen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier reist zu der Eröffnung eigens für einen Kurzbesuch nach Russland.
Medwedew dementierte Gerüchte, denen zufolge Gasprom über Industriebeteiligungen in Deutschland verhandelt. "Wir führen gegenwärtig keine Verhandlungen über Zukäufe in Deutschland. Natürlich schließen wir nicht aus, dass wir, falls die ökonomischen Bedingungen stimmen, Aktiva übernehmen." Auch über den Erwerb von Aktienpaketen an RWE oder RAG führe Gasprom keine Gespräche. "Wir prüfen solche Varianten nicht. Da könnten Sie mich auch fragen, ob wir Mond-Aktien vom Mond kaufen wollen."
Der Düsseldorfer Energiekonzern E.on bestätigte heute, dass E.on und Gasprom einen Beteiligungstausch vereinbart haben. E.on kann sich demnach mit 25 Prozent am westsibirischen Gasfeld Juschno Russkoje beteiligen. Gasprom soll im Gegenzug Beteiligungen an Kraftwerken in West- und Zentraleuropa sowie an unterirdischen Erdgasspeichern erhalten.
kaz/dpa/ddp/AFP