Enron-Folgen: Andersen und KPMG beraten Fusion - DER SPIEGEL
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Enron-Folgen Andersen und KPMG beraten Fusion

Dass der skandalbeschmierte Name Andersen als Folge des Enron-Debakels verschwindet, schien seit Wochen klar, nun gibt es Aufschlüsse über das Wie. Andersen und Noch-Konkurrent KPMG verhandeln darüber, ihr Geschäft außerhalb der USA zusammenzulegen.
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Berlin - Die Nachricht kam aus Berlin, aber sie betrifft auch den Rest Europas, Afrika, den Nahen Osten, Kanada, Asien und Lateinamerika: Wirtschaftsprüfer von Andersen beraten mit Kollegen von KPMG, das geben beide Unternehmen nun offiziell zu. Man sondiere, ob und wie Andersen Worldwide mit KPMG zusammengeführt werden könne, erklärte der Vorstandssprecher von KPMG in Deutschland, Harald Wiedmann, am Montagabend in Berlin.

Andersen sucht seit Wochen einen Partner. Das Unternehmen ist im Zusammenhang mit der Pleite des US-Energiekonzerns Enron wegen Behinderung der Justiz angeklagt worden. Den Wirtschaftsprüfern wird vorgeworfen, Tausende Unterlagen und Prüfberichte über Enron vernichtet zu haben.

Beide Seiten würden nun "in konkrete Verhandlungen eintreten", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. "Vorgesehen ist, die jeweils wichtigsten nationalen Gesellschaften zusammenzuführen." Der Sprecher der Geschäftsführung von Andersen Deutschland, Christoph Groß, erklärte, bei einem Zusammenschluss mit KMPG wäre das Unternehmen auch weiterhin in der Lage, seinen Mandaten ein umfassendes Dienstleistungsangebot zu machen.

Voraussetzung für eine Fusion sei aber die Zustimmung der jeweiligen nationalen Partnerschaften von KPMG und Andersen sowie der Kartellbehörden - und die führen oft ein Eigenleben, das Prognosen für die Zukunft sehr schwierig macht.

Mit dem Zusammenschluss der deutschen Organisationen von KPMG und Andersen würden die Nummer zwei und drei bei den Wirtschaftsprüfern fusionieren. Marktführer ist nach Ansicht von Experten in Deutschland PriceWaterhouseCoopers.

Andersen ist nach eigenen Angaben in insgesamt 84 Ländern mit 385 Büros vertreten. Gegründet wurde die Organisation 1913 in Chicago, die deutsche Partnerschaft entstand 1960. Weltweit setzte Andersen eigenen Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2000/01 9,3 Milliarden Dollar um, auf Deutschland entfielen umgerechnet rund 521 Millionen Euro. KPMG prüft nach eigenen Angaben rund die Hälfte der 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex und verbuchte im Jahr 2000 einen Umsatz von insgesamt 1,197 Milliarden Euro. In Deutschland beschäftigen beide Organisationen zusammen rund 12.000 Mitarbeiter.

KPMG war unter anderem im Zusammenhang mit der Beinahe-Pleite beim Frankfurter Baukonzern Holzmann und dem Milliardenbetrug beim Bohrgerätehersteller Flowtex in die Schlagzeilen geraten.