Enron-Skandal Früherer Top-Manager erschoss sich
Washington - Baxter sei in Sugarland im Bundesland Texas mit einer Schusswunde tot in einem Auto gefunden worden und habe einen Abschiedsbrief bei sich gehabt, teilte die Polizei mit. Gegen das Unternehmen laufen mehrere Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf gefälschte Bilanzen.
Der 43-jährige Baxter war bis Mai vergangenen Jahres im Vorstand des Unternehmens. Eine Mitarbeiterin, die in einer Mitteilung an Enron-Chef Kenneth Lay im vergangenen Sommer Sorge geäußert hatte, dass die Bilanzen einer Prüfung nicht standhalten würden, hatte Baxter namentlich als einen der Kritiker der Buchführungspraxis genannt.
Neben Baxter habe ein Abschiedsbrief gelegen, teilte die Polizei weiter mit. Hinweise auf Fremdeinwirkung seien nicht zu erkennen. "Wir sind über den tragischen Verlust unseres Freundes und Kollegen Cliff Baxter tief betroffen", teilte Enron mit. Baxter arbeitete seit 1991 für Enron. Vor seiner Berufung in den Konzernvorstand war er Leiter des Nordamerika-Geschäfts.
"Cliff schien okay zu sein, als ich mit ihm sprach, nachdem er Enron verlassen hatte", sagte ein ehemaliger Studienkollege Baxters, der heute als Anwalt in Manhattan arbeitet, der "New York Times". "Er war entäuscht, dass man ihn (bei der Vergabe des Enron-Chefpostens) übergangen hatte, aber er war zuversichtlich für die Zukunft." Baxter habe sich eine Auszeit nehmen und später noch mal die Universität besuchen oder eine neue Stelle annehmen wollen, berichtet Baxters Freund.
Baxter konnte sich eine Auszeit problemlos leisten: durch den Verkauf seiner Enron-Aktienoptionen in den Jahre 1998 bis 2001 hatte er einen Gewinn von mehr als 35 Millionen Dollar gemacht
Der in Amityville im US-Bundesstaat New York geborene Baxter lebte in Sugar Land, einem Vorort von Houston, und war bei Enron hauptsächlich für Zukäufe und Fusionen zuständig. Vor seinem Rückzug aus dem Unternehmen im Mai 2001 soll er heftige Diskussionen mit dem damaligen Enron-Chef Jeffrey Skilling über Bilanztransaktionen geführt haben, mit denen Schulden in Milliardenhöhe verschleiert wurden und die letztlich zum Zusammenbruch des Unternehmens führten.
Verschiedene Ausschüsse des US-Kongresses, das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht untersuchen derzeit die Umstände, die zu dem Zusammenbruch von Enron geführt haben. Unter anderem geht es um den Verdacht von Bilanzfälschung und von Insidergeschäften. Der am Mittwoch zurückgetretene Lay hatte den Wahlkampf von US-Präsident Georg W. Bush 2000 großzügig unterstützt. Lay hatte den einstigen Börsenstar seit 1986 geführt. Enron war damals aus der Fusion der beiden Gas-Pipeline-Gesellschaften Houston Natural Gas und Internorth hervorgegangen.
Enron hatte zahlreiche dubiose Partnerschaften mit angeblich unabhängigen Partnern gegründet und darin mehr als 500 Millionen Dollar Schulden versteckt. Das Unternehmen steht im Verdacht, die prekäre Finanzlage gesetzwidrig verschleiert zu haben. In der Konzernzentrale in Houston wurden Container mit geschredderten Dokumenten sicher gestellt.