Enron-Skandal Lay beugt sich der Zwangsvorladung
Washington - Der frühere Enron-Chef wolle in der kommenden Woche nun doch vor dem US-amerikanischen Kongress erscheinen und damit einer Zwangsvorladung Folge leisten, sagte Lays Anwalt Earl Silbert dem Nachrichtenkanal CNN. Vor den Parlamentariern soll Lay über die Pleite und die Buchführungspraktiken des Energiehändlers aussagen. Es gilt vielen Abgeordneten als wahrscheinlich, dass Lay zwar erscheinen wird, aber die Aussage verweigert, um sich nicht selbst zu belasten. Dazu hat der Ex-CEO laut Verfassung ein Recht.
Am 14. Februar wird Kenneth Lay nach Angaben des Anwalts vor dem Unterausschuss zu Kapitalmarktfragen erscheinen, später in der Woche werde er vor den Handelsausschuss des Senats treten. Der genaue Termin stehe noch nicht fest.
Am Montag hatte ein scheinbares Verschinden Lays für Verwirrung und Empörung gesorgt. "Wir sind am Nachmittag mit Herrn Lays Anwalt in Kontakt getreten", sagte Peggy Peterson, die Sprecherin des Senatsausschusses. "Er hat uns gesagt, er kenne Lays Aufenthaltsort nicht, was uns gelinde gesagt rätselhaft erscheint." Lays Anwalt Earl Silbert habe die Annahme der Vorladung verweigert. Silbert war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Eine Frau, die in seiner Wohnung ans Telefon ging, sagte, er sei krank.
Lay hatte Anfang der Woche in Houston mitgeteilt, er habe den Enron-Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung verlassen. "Ich möchte, dass Enron überlebt und erfolgreich aus der Reorganisation hervorgeht", hieß es in einer Erklärung Lays. Angesichts verschiedener Befragungen und Untersuchungen, die auch seine Person beträfen, glaube er, dass sein Verbleib in dem Gremium den unternehmerischen Zielen entgegenstünde. Die Anhörung vor dem Handelsausschuss habe er auf Anraten seines Anwalts abgesagt.
Für Donnerstag sind der ehemalige Enron-Finanzchef Andrew Fastow, der frühere Geschäftsführer Michael Kopper und Ex-Firmenchef Jeffrey Skilling vor den Energie- und Handelsausschuss geladen. Es wird erwartet, dass auch Fastow und Kopper die Aussage verweigern. Skilling will dagegen nach Angaben seiner Sprecherin aussagen.
Lay war am 23. Januar unter dem Druck des Verwaltungsrats und von Gläubigern als Vorsitzender des Enron-Boards und CEO zurückgetreten, gehörte aber dem Board weiter an. Enron hatte im Dezember nach Artikel elf des US-Konkursgesetzes Gläubigerschutz beantragt.
Enron war im vergangenen Jahr vom milliardenschweren Börsenliebling zum Pleiteunternehmen geworden, nachdem Bilanzunregelmäßigkeiten zu einem extremen Vertrauensverlust bei Investoren und Geschäftspartnern geführt hatten. Derzeit untersuchen mindestens zehn US-Behörden den Enron-Zusammenbruch.