Entlassungen Industrie beschleunigt Stellenabbau
Wiesbaden - Es ist der stärkste Einbruch seit fünf Jahren: Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Industrie ging im Mai um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Demnach arbeiteten noch rund 5,1 Millionen Menschen in Industriebetrieben, 119.400 weniger als im Mai 2008. Ein stärkeres Schrumpfen hatten die Statistiker zuletzt für den Februar 2004 festgestellt.
Die stärksten Rückgänge zählte die Behörde bei der Herstellung von Metallerzeugnissen mit einem Minus von 3,3 Prozent. Auch die Autobranche verlor mit 3,1 Prozent mehr als der Durchschnitt. Im Maschinenbau fiel der Arbeitsplatzrückgang mit 0,8 Prozent glimpflicher aus. Eine positive Entwicklung gab es im Bereich Nahrungs- und Futtermittel, wo die Statistiker ein Plus von 1,3 Prozent registrierten.
Auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ging deutlich zurück. Sie sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,1 Prozent auf 590 Millionen. Ursachen sind neben dem Stellenabbau, dass viele Produktionsbetriebe Kurzarbeit nutzen und dass der Feiertag Fronleichnam dieses Jahr vielen Beschäftigten schon im Mai einen arbeitsfreien Tag bescherte.
Das dicke Ende des Jobabbaus ist aber längst noch nicht erreicht, wie aus einer Erhebung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hervorgeht. Danach haben Firmen bislang öffentlich angekündigt, noch in diesem Jahr in Deutschland mehr als 50.000 Stellen abzubauen. Unter den Stellenstreichern sind bedeutende Industriebetriebe wie Schaeffler, Continental , ThyssenKrupp oder Heidelberger Druckmaschinen . Dem stehen 33.000 angekündigte neue Jobs entgegen, die vor allem bei Handelsbetrieben wie Rewe, Edeka, Kaufland und Lidl entstehen sollen.
Diverse Branchenverbände haben zudem weit höhere Schätzungen zum bevorstehenden Stellenabbau abgegeben. Allein der Maschinenbau und die Elektroindustrie gehen für ihren Branchen von einem Abbau von rund 80.000 Stellen aus.