Entlassungswelle: Arbeitnehmer in Angst - DER SPIEGEL
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Entlassungswelle Arbeitnehmer in Angst

Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Es hat inzwischen alle Branchen erfasst.
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Hamburg - Allein im Telekom-Sektor fielen seit Beginn dieses Jahres knapp 350.000 Jobs weg. Und die Kündigungswelle nimmt kein Ende. Jüngst kündigte der französische Telekom-Ausrüster Alcatel den Abbau von weiteren 14.000 Arbeitsplätzen an, davon 4000 in Europa. British Telecom teilte in London mit, man werde in diesem Jahr 6000 statt der bisher 5000 angekündigten Stellen streichen. Ericsson hat bereits 10.000 Mitarbeiter entlassen, Motorola gar 20.000.

Auch die bisherigen Branchen-Musterknaben Nokia und Siemens sind nicht gegen die Handyflaute gefeit. Beide Unternehmen haben bereits Jobstreichungen bekannt gegeben. Bei Siemens sind es 3500.

Die Hiobsbotschaften betreffen aber nicht allein den Telekom-Sektor. Längst hat die Entlassungswelle alle Branchen der europäischen Industrie erfasst. Neben DaimlerChrysler, ABB haben bis zu 100 weitere Industrie-Konzerne bereits massive Entlassungen angekündigt. Bei der Siemens-Tochter Infineon steht bereits fest, dass 5000 Mitarbeiter gehen müssen. Der Zentralverband des deutschen Handwerks rechnet in diesem Jahr mit einem Minus von 120.000 Arbeitsplätzen.

Wie eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der "Financial Times Deutschland" ergab, haben hochgerechnet rund 4,3 Millionen Menschen Angst davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

Analysten befürchten, dass diese Angst die Gefahr des Jobverlusts sogar noch befördert. Denn mit den Zukunftssorgen sinkt auch die Kauffreude. Geringere Konsumausgaben aber drücken weiter auf das Wirtschaftswachstum und könnten eine Abwärtsspirale in Gang setzen.

In der SPD werden inzwischen die ersten Stimmen laut, die den Kahlschlag kritisieren. Der sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner hält die derzeitig Entlassungswelle für völlig übertrieben. Statt nur auf den Börsenkurs zu achten, sollten die Unternehmen langfrsitig denken und auch arbeitsmarkt- und tarifpolitische Möglichkeiten zur Weiterbeschäftigung nutzen.