Enttäuschter Bank-Chef Ackermann nennt Stoiber undankbar
Berlin - Deutschlands wohl umstrittenster Top-Manager wirbt wieder um Verständnis für sich und sein Institut. Mehrere Monate lang war Josef Ackermann für die Medienöffentlichkeit praktisch abgetaucht, jetzt hat er eine veritable Interview-Offensive gestartet. Kürzlich sprach er mit "Handelsblatt" und "Financial Times" über Heuschrecken-Debatte und Bankenfusionen - nun ist noch mutiger geworden: Er wagt sich ins Fernsehen.
In einem Interview der ZDF-Sendung "Berlin Mitte" sagte Ackermann, die von SPD-Chef Franz Müntefering ausgelöste Kapitalismus-Diskussion sei eine Attacke gewesen, "die ich ein bisschen schade finde". Mehr wolle er zur Person des SPD-Chefs nichts sagen, schließlich habe er "Müntefering noch nie getroffen".
Anders verhalte es sich mit Edmund Stoiber, der sich auch unter die Banken-Kritiker gemischt hatte, von dem er aber eine andere Reaktion erwartet hätte. "Herr Stoiber weiß sehr genau, was er mir eigentlich verdankt", sagte Ackermann, "er sagt mir das auch immer und schreibt mir das auch immer."
"Dann schüttelt man das ab"
Ackermann dementierte frühere Berichte, wonach er im Falle einer Neuauflage des Mannesmann-Prozesses zurücktreten wolle. "Wenn man einmal stürzt und voll Schnee ist, dann schüttelt man das ab und fährt weiter - vielleicht noch ein Stück sicherer", sagte er. "Ich bin nicht jemand, der da aufgibt, sondern wir kämpfen." Das erste Mannesmann-Verfahren hatte Ackermann in seinem Einsatz für die Bank stark eingeschränkt.
Ackermann sagte, ihn kümmere schon, "was die Leute über mich denken". Sein "Victory"-Zeichen zu Beginn des Mannesmann-Prozesses bedauerte er. "Das war eine unbewusste Reaktion auf den Scherz eines Verteidigers." Auf die Frage nach der öffentlichen Kritik an seinem mit 10,1 Millionen Euro bezifferten Jahresgehalt antwortete Ackermann nur ausweichend. "Das ist viel Geld, das ist klar. ... Erklären kann man das nicht."
"Deutschland braucht eine große Bank"
Eine Wahlempfehlung gab Ackermann nicht ab. "Für mich ist wichtig, dass Deutschland wieder nach vorne kommt." Jede Regierung, die dieses Vertrauen vermitteln könne, "ist uns willkommen". Er habe sowohl zur Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel als auch zu Bundeskanzler Gerhard Schröder ein "sehr gutes persönliches Verhältnis".
Angesichts der Übernahme des Konkurrenten HVB durch die Unicredito sagte Ackermann, seine Bank sei kein Übernahmekandidat. Eine feindliche Übernahme durch die amerikanische Citigroup schloss er aus. Unfreundliche Übernahmen seien im Bankgewerbe nicht üblich. "Und eine freundliche Übernahme bieten wir nicht an."
Es sei im Gegenteil so, dass die Deutsche Bank durch Zukäufe wachsen wolle. Interesse bestehe weiterhin an der Postbank, so Ackermann. Das Scheitern der im vergangenen Jahr geplanten Übernahme nannte er bedauerlich. Potenzial gebe es auch noch in Osteuropa, insbesondere in Polen. Es sagte, "Deutschland braucht eine große Bank", die erfolgreich sei und Unternehmen weltweit begleiten könne.