Entwicklung Eckrente gegen reale Rente
In ihrer Modellrechnung geht die Bundesregierung davon aus, dass die Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung bis 2030 unter 22 Prozent bleiben. Der Berechnung liegt außerdem ein so genannter "Eckrentner" zu Grunde, der immer den jährlichen Durchschnittsverdienst bezieht und 45 Jahre lang Rentenbeiträge zahlt. Das Durchschnittseinkommen betrug in Westdeutschland im Jahr 2000 rund 55.000 Mark.
Dieser Eckrentner könnte mit einem Netto-Rentenniveau von 68 Prozent seines letzten Nettoverdienstes rechnen. Gemeinsam mit den Erträgen aus einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge käme er der Modellrechnung zufolge auf ein Versorgungsniveau von 76 Prozent.
Nach Ansicht des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) sind diese Berechnungen jedoch nicht realistisch. Der Gesetzgeber geht zum Beispiel davon aus, dass ab 2004 die Löhne und Gehälter jährlich um drei Prozent steigen, die Zahl der Erwerbstätigen trotz schrumpfender Bevölkerungszahl kräftig wächst und die Krankenversicherungsbeiträge bis 2025 konstant bei 13,5 Prozent bleiben, obwohl sie bereits in diesem Jahr höher liegen. Zudem müssten die künftigen Rentner deutlich später in Rente gehen, um ihre 45 Beitragsjahre zu erfüllen. "Sollten diese optimistischen Prognosen nicht eintreffen, wird das Reformwerk zur Makulatur", sagt Meinhard Miegel, Berater des DIA.
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Der Essener Ökonom Reinhold Schnabel hat deshalb im Auftrag des DIA den Prognosen der Bundesregierung ein "realistisches" Szenario gegenüber gestellt. Ein Netto-Rentenniveau des Eckrentners von 67,8 Prozent hält Schnabel für illusorisch. Schon nach den eigenen Zahlen des Reformwerks sinke das Rentenniveau in Wirklichkeit (gemessen an der bisherigen Nettolohnformel) auf 64 Prozent.
Schnabel stellt in seiner inflationsbereinigten Renten-Musterrechnung alle Beträge nach Abzug einer angenommenen jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent dar. Außerdem geht er in seinem Beispiel von kürzeren Beitragszeiten aus: Längere Berufsausbildung, Ausfallzeiten und früherer Rentenbeginn hätten dazu geführt, dass Männer bei Rentenbeginn im Durchschnitt nur 40 Jahre und Frauen nur 30 bis 35 Versicherungsjahre in die Waagschale werfen können.