Epcos-Ergebnisse: Chip, Chip, oh weh! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Epcos-Ergebnisse Chip, Chip, oh weh!

Verglichen mit der Schwester Infineon sieht Epcos wie ein Musterknabe aus, doch auch über dem Hersteller elektronischer Bauelemente haben sich dunkle Wolken zusammengeballt. Vor allem der Preisverfall bei Halbleitern macht den Münchnern zu schaffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

München - Epcos hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02, das am 30. September endete, wieder die Gewinnzone erreicht, kämpft aber weiterhin mit dem Preisverfall bei elektronischen Komponenten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) belaufe sich auf sechs Millionen Euro, verglichen mit einem Verlust von 52 Millionen Euro im Vorquartal und einem Gewinn von 126,8 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich das Unternehmen zurückhaltend und rechnet weiterhin erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Marktbelebung.

Der Vorstandsvorsitzende Gerhard Pegam hofft dann insbesondere auf die Einführung von zahlreichen neuen Geräten und Produkten im Mobilfunkbereich. Der Hersteller von sogenannten passiven Bauelementen erwirtschaftet rund 30 Prozent seines Umsatzes mit Komponenten für die Mobilfunkbranche. Für das "unverändert schwierige zweite Quartal" rechnet Pegam saisonal bedingt aber noch mit einem leichten Rückgang bei den Handy-Produktions- und -Verkaufszahlen. Daher erwarte er zunächst keinen nennenswerten Umsatzanstieg. Erst im dritten Quartal werde wieder von einem Erlöszuwachs ausgegangen.

Das Konzernergebnis nach Steuern sei gegenüber dem Vorquartal auf vier Millionen Euro gestiegen, nachdem im Vorquartal unter anderem wegen Restrukturierungsaufwendungen noch ein Verlust von 25 Millionen Euro eingefahren wurde. Der Umsatz ging nach Angaben des Unternehmens im Berichtszeitraum wegen des anhaltenden Preisdrucks und der Marktschwäche in Europa um zwölf Prozent auf 318 Millionen Euro zurück. Damit lagen die Quartalszahlen des Unternehmens zwar weitgehend im Rahmen der Erwartungen von Analysten.

"Enttäuschend" nannte ein Londoner Analyst allerdings den Umsatz. Der Nettogewinn sehe aber gut aus, wenngleich dieser überwiegend aus Währungseffekten und Finanzgeschäften resultiere. Der Aktienkurs dürfte sich positiv entwickeln, nicht zuletzt angesichts des weiterhin optimistischen Ausblicks auf eine Erholung im zweiten Halbjahr, hieß es weiter. Die Titel gewannen im frühen Handel drei Prozent auf 46,88 Euro.

Deutliche Einbußen seien im Berichtszeitraum im Geschäft mit der Industrie- und Automobilelektronik verzeichnet worden, während sich die Erlöse im Bereich Konsumelektronik und Telekommunikation etwa auf dem Niveau des Vorquartals bewegt hätten, hieß es. Positiv bewertete Pegam den Zuwachs beim Auftragseingang, der um 31 Prozent auf 275 Millionen Euro geklettert ist. Er habe insbesondere von der mittlerweile eingesetzten Belebung im Geschäft mit der Automobil- und Industrieelektronik profitiert. Damit lag er jedoch weiterhin deutlich unter dem Niveau von 703 Millionen Euro aus dem Vorjahr, das noch vom Mobilfunk-Boom geprägt war.

Erfreut zeigte sich Epcos über die Entwicklung im Bereich Oberflächenwellen (OFW)-Komponenten, der im ersten Quartal mit einem operativen Ergebnis von 12,6 Millionen Euro wieder schwarze Zahlen schrieb. Im Vorquartal war wegen Restrukturierungskosten noch ein EBIT von minus 39,9 Millionen Euro erzielt worden. Positiv habe sich hier insbesondere die Produktionsverlagerung nach China und Singapur ausgewirkt. OFWs filtern beispielsweise in Mobilfunktelefonen Störgeräusche heraus. Rote Zahlen schrieb im Berichtszeitraum lediglich das Segment Ferrite, das besonders unter der anhaltenden Schwäche in der Festnetz-Telekommunikation leidet. Die Bereiche Kondensatoren und Keramische Bauelemente erreichten zumindest knapp die Gewinnzone.

Nach Angaben des Unternehmens würden die eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung greifen, die inbesondere durch Einsparungen beim Einkauf und rückläufige Personalkosten erzielt werden sollen. Die Produktionsverlagerung in Länder mit niedrigeren Arbeitskosten "schreite zügig voran", hieß es. So sei beispielweise die Verlagerung der Produktion von Ferriten von München nach Sumperk in Tschechien abgeschlossen. Auch die Fertigung von E-Kernen soll von Frankreich nach Tschechien und Indien verlagert werden. Mit den Maßnahmen ist bei Epcos insgesamt ein Personalabbau von 800 Arbeitsplätzen in Deutschland im Laufe des Jahres verbunden. Bislang seien bereits 329 Stellen gestrichen worden, hieß es.