Erfolg gegen Steuertricks: Schwarzarbeiter auf dem Rückzug - DER SPIEGEL
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Erfolg gegen Steuertricks Schwarzarbeiter auf dem Rückzug

Den Finanzminister wird es freuen: Einer Studie zufolge werden die Deutschen 2004 weniger schwarz arbeiten als im Vorjahr - das wäre der erste Rückgang seit langem. Der Plan, schwarz arbeitende Putzfrauen und Gärtner stärker zu verfolgen, zeigt erste Wirkung.
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Tübingen - Die Zahl ist immer noch imposant. 364 Milliarden Euro - so viel werden die Leistungen voraussichtlich wert sein, die die Deutschen 2004 in Schwarzarbeit erbringen. Das prognostiziert das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) aus Tübingen. Im Jahr 2003 belief sich das Volumen der Schattenwirtschaft auf 370 Milliarden Euro. Damit sei erstmals eine Trendwende in Sicht, schreiben die IAW-Experten.

Instituts-Geschäftsführer Harald Strotmann sagte, Grund dafür seien vor allem beschlossene Reformmaßnahmen der Regierung. Sie setzen bei der hohen Belastung des Faktors Arbeit an, bauen Regulierungen, Steuern und Abgaben ab. Ein Beispiel seien die erweiterten Regelungen für so genannte Mini-Jobs. Sie würden Jobs aus der Schattenwirtschaft zurück in den regulären Markt holen. Förderlich seien auch die Neuregelung der Handwerksordnung und die Steuersenkungen.

Experte: Legalisieren, nicht kriminalisieren

Die Regierung plant, Schwarzarbeit konsequenter als bisher zu verfolgen und künftig als kriminelles Delikt einzustufen, nicht mehr als Ordnungswidrigkeit. Professor Friedrich Schneider von der Universität Linz, der mit an der Studie arbeitete, sagte dazu, wichtiger sei es, die Ursachen der Schwarzarbeit zu bekämpfen, anstatt an Symptome herumzukurieren. Auch sei die Verfolgung von Schwarzarbeit gerade im Haushalt sehr aufwändig und schwierig. Viele Bürger hätten bei "haushaltsnahen Dienstleistungen" kein Unrechtsbewusstsein und betrachteten diese als Kavaliersdelikte.

Um die Schattenwirtschaft weiter einzudämmen, fordern die Volkswirte, die Abgabenlast weiter zu senken. Darüber hinaus sollte stärker über die Legalisierung zahlreicher heute schwarz erbrachter Dienstleistungen nachgedacht werden, so Schneider. Er regte eine Änderung der staatlichen Wohnungsbauförderung an. Bauherren sollten dabei die anfallenden Lohnnebenkosten vom Staat rückvergütet werden. Dadurch könnte es gelingen, einen Teil der bisher schwarz erbrachten Arbeit legal und kostenneutral in die offizielle Wirtschaft zu überführen.

Im internationalen Vergleich liegt das Ausmaß der Schattenwirtschaft in Deutschland weiterhin im Mittelfeld der OECD-Länder. Ihr Wert entspricht fast 17 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsproduktes. Mit gut 138,8 Milliarden Euro entfallen etwa 38 Prozent der Schwarzarbeit auf Baugewerbe und Handwerk.

"Ungeheure Verunsicherung"

Unterdessen treiben die Initiativen zur Strafverfolgung von Schwarzarbeit in Haushalten nicht angemeldete Putzhilfen in die Arme der Minijob-Zentralen. Täglich gingen mehr als 20.000 Anrufe von verunsicherten und verängstigten privaten Arbeitgebern und nicht gemeldeten Haushaltshilfen im Service Center ihrer Essener Zentrale ein, berichtete die Bundesknappschaft. Sonst seien es weniger als die Hälfte. Die Anrufer wollten sich informieren oder gleich . "Wir stellen eine ungeheure Verunsicherung durch die Strafandrohung fest", sagte die Sprecherin der Minijob-Zentrale.

Nach ihren Angaben wird in 1,5 bis 2,9 Millionen Haushalten in Deutschland schwarz geputzt oder gegärtnert. Nach der Minijob-Regelung dürfen Haushaltshilfen im Monat bis zu 400 Euro verdienen. Der private Arbeitgeber zahlt neben dem Verdienst an die Haushaltshilfe noch 12 Prozent pauschale Abgaben an die Minijob-Zentrale. Das sind bei den vollen 400 Euro zusätzlich 48 Euro an Abgaben. Zehn Prozent der Gesamtaufwendung kann der Arbeitgeber von der Steuer absetzen.

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