Erfolglose Neuemissionen Esprit folgt dem Trend
Frankfurt am Main - Grund für den abgesagten Börsengang sei das derzeit ungünstige Börsenklima für Werte aus der Bekleidungs- und Einzelhandelsbranche, teilte die konsortialführende Investmentbank Goldman Sachs mit. Die Aktien vergleichbarer Firmen hätten an den Börsen allein in den vergangenen zehn Tagen um durchschnittlich acht Prozent verloren. Die Emission sei voll, aber nicht zufrieden stellend gezeichnet gewesen.
Händler sagten, dass vor allem große Emissionen viel Kapital aufgesogen hätten und Anleger bei Neuemissionen immer kritischer würden. Es sei mit weiteren Absagen bei Börsengängen zu rechnen.
Esprit wollte am Mittwoch bis zu 14,95 Millionen Aktien im amtlichen Handel der Frankfurter Börse notieren lassen. Die Papiere waren in einer Preisfindungsspanne von 14 bis 17 Euro zum Kauf angeboten worden. Esprit sei zwar eine schöne Aktie, sagte ein Händler, ein deutliches Makel sei jedoch, dass rund die Hälfte des Emissionserlöses für die Kredittilgung der Muttergesellschaft verwendet werden sollte.
Außerdem sei viel Anlegergeld bei großen Emissionen, wie bei der dritten Telekom-Tranche oder bei T-Online eingefroren worden. Knapp über 90 Unternehmen haben in diesem Jahr bereits den Schritt an die Börsen in Deutschland gewagt. Einige Unternehmen haben ihre geplante Erstnotiz aber auch verschoben. Mit der europäischen Luft- und Raumfahrtgesellschaft EADS, die am 10. Juli bis zu 166,5 Millionen Aktien an den Börsen in Frankfurt, London und Paris platzieren will, steht eine weitere Massenemission in den Startlöchern. Das beeinträchtige auch den Erfolg von Neuemissionen am Neuen Markt, sagte ein Händler.
Zwei der drei Börsenkandidaten am Frankfurter Wachstumssegment gaben am Mittwoch denn auch ein entsprechend schwaches Debüt. Der erste Kurs des Münchner Autozulieferers Alphaform lag mit 16 Euro unter dem Zuteilungspreis von 17 Euro. Auch der Handel mit den Aktien des Telekommunikations-Unternehmens Feedback startete mit 10,50 Euro einen Euro unterhalb des Ausgabepreises. Einen fulminanten Börsenstart lieferten dagegen die Aktien von Microlog Logistics, die mit einem ersten Kurs von 56 Euro den Ausgabekurs von 34 Euro deutlich übertrafen.
Abgesehen von dem von geringen Umsätzen geprägten Sommerloch gebe es nur noch wenige erfolgreiche Neuemissionen, sagte ein Händler. "Das Spektrum ist zu groß geworden, man muss sich jetzt genau anschauen, was kommt", fügte er hinzu. Während früher noch jede Neuemission am Neuen Markt gezeichnet worden sei, liefen heute nicht mehr alle so gut. Es würden voraussichtlich weitere Neuemissionen zurückgezogen.