Erhöhung der Mehrwertsteuer Gefühlter Preisanstieg
Hamburg Kommt nach dem "Teuro" die Mehrwertsteuer-Teuerung? Eine branchenübergreifende Studie der Unternehmensberatung Sempora ergab, dass mehr als die Hälfte aller befragten Händler und Produkthersteller die drei Prozentpunkte Mehrwertsteuererhöhung teilweise an die Verbraucher weitergeben wollen. Ein Drittel der Unternehmen gab sogar an, die Steuererhöhung vollständig an den Endkunden weiterreichen zu wollen.
Umfragen wie diese aus dem April sorgen für Unsicherheit unter den Verbrauchern. Viele von ihnen blicken skeptisch in das kommende Jahr. Eine Umfrage des "Handelsblatts" ergab, dass mehr als die Hälfte der Deutschen glaubt, der Handel habe die Preise bereits angehoben.
An dieser gefühlten Preissteigerung scheint etwas dran zu sein: Bereits seit Anfang des Jahres seien viele Preise angestiegen, hat der Informationsdienst Preiszeiger beobachtet. Häufige Preisänderungen seien im Einzelhandel ganz normal, typischerweise hielten sich Erhöhungen und Senkungen die Waage. "In diesem Jahr ging die Preislinie jedoch eindeutig nach oben", so Andreas Breitbart vom Preiszeiger. Vor allem im Drogeriediscount war dies der Fall, deutlich billiger hingegen wurden Elektroartikel.
Auch das Statistische Bundesamt hat in den vergangenen Monaten festgestellt, dass sich Drogerieartikel wie Zahncreme und Duschgel verteuert haben. Vor allem Preise von Artikeln, die nicht so sehr im Bewusstsein der Verbraucher verankert sind, wurden erhöht: Parfüm kostet mehr, Toilettenpapier nicht. Der Verband Deutscher Drogeristen habe seinen Mitgliedern sogar Anfang des Jahres empfohlen, schon vor Jahreswechsel die Preise anzuheben, berichtet das "Handelsblatt".
Eine weitere Tendenz konnte man in den vergangenen Monaten beobachten: weniger Inhalt statt Preisanstieg. So schon seit längerem üblich in der Tabakindustrie, die die Anzahl der Zigaretten pro Packung mit jeder Tabaksteuererhöhung weiter zurückschraubte.
"Mit Sicherheit nicht zum Stichtag"
Wird in den nächsten Monaten also wirklich alles teurer? Vor allem die Lebensmittel-Discounter und Supermärkte verneinen das. Die ohnehin geringen Gewinnmargen im Einzelhandel würden nur wenig Spielraum lassen, die Steuererhöhung an die Kunden weiterzugeben.
Der Trend zu stabilen Preisen sei schon eine ganze Weile zu beobachten, sagt ein Sprecher des Discounters Plus. "Daran wird auch die Steuererhöhung nichts ändern." Zudem seien bei Plus nur zehn Prozent der Ware von der Steuererhöhung betroffen, so dass der Kunde wenig davon merken werde. Für Lebensmittel gilt ohnehin der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent, der sich auch Anfang 2007 nicht ändert.
Ein Sprecher der Metro-Gruppe meint hingegen, dass die Steuererhöhung wohl nicht gänzlich an den Kunden vorbeigeht. Aber eines sei klar: "Mit Sicherheit werden die Preise nicht zum Stichtag erster Januar um drei Prozent steigen." Es werde auf eine Mischkalkulation hinauslaufen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Mehrwertsteuererhöhungen nicht vollständig an den Verbraucher weitergegeben sondern auf Hersteller, Kunde und Händler verteilt werden.
Letztlich müssten die Einzelhändler bei der Preisgestaltung auch die Schwellenpreise beachten. Denn ein Preis könne nicht von 1,99 Euro auf 2,05 erhoben werden, ohne die Kunden zu verunsichern.
Die Verbraucher, durch die Erfahrungen mit der Euroumstellung misstrauisch geworden, sind dennoch verunsichert. Das nutzte Deutschlands größter Discounter Aldi für eine groß angelegte Imagekampagne: Mit der Ankündigung, die Preise einfrieren zu wollen, warb der Discounter in vielen Tageszeitungen. 200 Produkte samt Preis listete der Discounter in den doppelseitigen Anzeigen auf.
Preise, die vor der "Wir frieren den Preis ein"-Kampagne schnell noch erhöht worden sind? Eine Untersuchung von Preiszeiger zeigt, dass von den 205 Produkten, die Aldi Nord auflistete, 38 im Verlauf des Jahres teurer geworden sind. Bei Aldi Süd hatten sich 42 der 217 aufgelisteten Produkte seit Jahresanfang verteuert. Ein Großteil davon wurde Anfang Mai erhöht. Bei den meisten Artikeln liegt die Erhöhung bei zwei bis sieben Prozent.