Ericsson: Düstere Prognosen als Werbebotschaft - DER SPIEGEL
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Ericsson Düstere Prognosen als Werbebotschaft

Mit einer Aktienemission im Wert von knapp 3,3 Milliarden Euro will Ericsson-Chef Kurt Hellström dringend benötigtes Geld für den Umbau ins Haus holen. Doch sein Werbefeldzug für die Zustimmung der Anleger gleicht eher einer groß angelegten Warnung.
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Stockholm - Die Äußerung gleicht einem Offenbarungseid. Nur einen Tag bevor sich die Aktionäre des Handy- und Netzwerkspezialisten Ericsson zur für Donnerstag anberaumtem außerordentlichen Hauptversammlung treffen, hatte Ericsson-Chef Kurt Hellström in der "Financial Times" seine düstere Einschätzung über die Lage der gesamten Handy-Branche kund getan: "Wir müssen der Möglichkeit ins Auge sehen, dass es auch nächstes Jahr nicht aufwärts geht."

Auch sein fast flehentlicher Appell an die ebenfalls notleidenden Netzbetreiber, die Investitionen in ihre Handynetze wieder anzukurbeln, wirkte wie eine Warnung in Richtung seiner Investoren. Der Verkäufer als Warner, das ist neu - immerhin wirbt Hellström um nicht weniger als um die Genehmigung, neue Aktien im Wert von umgerechnet mehr als 3,29 Milliarden Euro zu emittieren.

Unter den gegebenen Umständen fordert er damit eine fast uneigennützige Entscheidung seiner Anleger, denn die zusätzlichen Aktien dürften den Ericsson-Kurs nicht eben beflügeln. Schon am Mittwoch sackte der Kurs auf umgerechnet 2,2 Euro, den niedrigsten Stand seit fast sechs Jahren und weniger als ein Zehntel des Kursrekords von 25,2 Euro im März 2000. Zwar hat bereits die Wallenberg-Gruppe als wichtigster Großaktionär Zustimmung signalisiert. Doch noch ist keineswegs sicher, ob ihr die Mehrheit folgen wird.

So verlangte der Pensionsfonds AMF knapp 24 Stunden vor der Hauptversammlung eine Garantie von Ericsson, dass die anvisierten 3,29 Milliarden Euro bis spätestens Ende Oktober in die Kassen gelangt sein müssten. Ansonsten sei es bei derart unsicheren Marktbedingungen zu riskant, der größten Aktienemission der schwedischen Geschichte bedingungslos zuzustimmen, meinte AMF-Chef Christer Elmehagen am Mittwoch in "Svenska Dagbladet" und könnte damit nach Meinung des Blattes einen "Schneeball mit Lawineneffekt" losgetreten haben.

Die Skepsis von Elmehagen könnte sich tatsächlich zum Alptraum für Ericsson auswachsen. Denn vieles spricht dafür, dass es sich bei der Neuemission um die buchstäblich letzte Chance des schwedischen Traditionsunternehmens handelt. Bereits im zweiten Jahr in Folge fährt Ericsson Milliardenverluste ein, zuletzt im ersten Quartal 2002 den Rekordverlust von 590 Millionen Euro.

Hellström und der neue Aufsichtsratschef Michael Treschow hatten zunächst mit massivem Arbeitsplatzabbau versucht, die davonlaufenden Kosten in den Griff zu bekommen. Bislang haben bereits insgesamt 42.000 Ericsson-Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren oder werden ihn im Rahmen des derzeitigen Sparplans verlieren.

Die Erosion ihrer Marktanteile konnten die Schweden damit allerdings nicht aufhalten. Nicht nur den souveränen Marktführer Nokia, sondern auch Motorola, Siemens und Samsung mussten sie an sich vorbeiziehen lassen. Zurzeit beträgt der Marktanteil nur noch sechs Prozent - vier Prozentpunkte weniger in besseren Ericsson-Zeiten. Auch die neue Handy-Ehe mit Sony hat bisher nur wenig daran geändert.