Ernennung WTO bestätigt Lamy als Generaldirektor
Genf - Die Ernennung erfolgte bei der Sitzung des Allgemeinen WTO-Rates in Genf. Eine formelle Abstimmung gab es nicht. Lamy wurde - wie bei der WTO üblich - im Konsens bei Konsultationen ernannt.
Der 58-jährige Franzose, der sich zuvor gegen drei andere Bewerber aus Entwicklungs- und Schwellenländern durchgesetzt hatte, wird Nachfolger des Thailänders Supachai Panitchpakdi, der zur Uno-Organisation UNCTAD wechselte. Lamy tritt sein Amt für vier Jahre an.
Lamy soll im Eiltempo schaffen, woran seine Vorgänger zuletzt zu verzweifeln schienen: Bis Ende 2006 soll endlich die so genannte Doha-Handelsrunde zum Abschluss gebracht werden, die Zölle in Milliardenhöhe und Handelsschranken für Entwicklungsländer beseitigen soll. Eigentlich wollen sich die WTO-Staaten bis Ende Juli auf Grundzüge eines Kompromisses einigen, der dann im Dezember bei einer Konferenz in Hongkong abgesegnet werden soll. Die 2001 im katarischen Doha gestartete Welthandelsrunde war im September 2003 bei der WTO-Ministerkonferenz im mexikanischen Cancún zunächst gescheitert.
Für eine menschliche Globalisierung
Bei der WTO werden auch zahlreiche Streitigkeiten um die Regulierung des Welthandels ausgefochten. So könnte beispielsweise der Textil-Streit zwischen China auf der einen und den USA und der EU auf der anderen Seite demnächst in Genf landen landen.
Die EU hatte Lamy im vergangenen Dezember als Kandidaten präsentiert, im April stellte sich die dann US-Regierung hinter den Kandidaten. Zuvor hatte die EU den US-Kandidaten Paul Wolfowitz für das AMt des Weltbank-Chefs mit getragen. Mitte Mai gab dann Lamys letzter Widersacher aus einem Schwellenland, Carlos Perez del Castillo aus Uruguay, auf.
Lamy will dabei für eine Globalisierung mit menschlichen Antlitz eintreten: "Die Welt braucht mehr Handel, aber Handel, der von Regeln eingerahmt wird." Der Sozialist, der am 8. April 1947 geboren wurde, hat eine Bilderbuchkarriere hinter sich. Nach der Elite-Wirtschaftsschule HEC und der Pariser Politiker-Kaderschmiede IEP absolvierte er die Verwaltungshochschule École Nationale d'Administration (ENA). Danach ging er in die französische Finanzverwaltung, bevor Finanzminister Jacques Delors ihn Anfang der achtziger Jahre zu seinem Berater machte.
Dieser holte Lamy auch 1985 nach Brüssel und machte ihn schließlich zu seinem Kabinettschef an der Spitze der EU-Kommission. Unter Delors blieb er bis 1994 in der Behörde. Nach einer Zwischenstation bei der angeschlagenen Großbank Crédit Lyonnais kam Lamy 1999 zurück nach Brüssel und übernahm das Außenhandelsressort.