Ernst & Young Vorwurf der Kungelei mit PeopleSoft
Washington - Wie die Securities & Exchange Commission (SEC) am Montag in Washington mitteilte, beschuldigt sie Ernst & Young wegen Verstößen bei der Buchführung für den Software-Konzern PeopleSoft, der auf Unternehmenssoftware spezialisiert ist. Es geht um den Zeitraum zwischen 1994 und 2000.
Ernst & Young habe seine Unabhängigkeit als Wirtschaftsprüfer aufs Spiel gesetzt, indem man private Geschäftsbeziehungen zu PeopleSoft unterhielt. Die Steuerabteilung des Prüf- und Beratungskonzerns habe das Software-Produkt "EY/GEMS" entwickelt und dabei Teile des geschützten PeopleSoft-Source-Codes verwendet. Durch die Benutzung des Source Codes habe Ernst & Young versucht, sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Sei die Software an Klienten verkauft worden, habe Ernst & Young habe PeopleSoft Tantiemen von 15 bis 30 Prozent des Preises gezahlt, so der Vorwurf. Die SEC verlangt von Ernst & Young unter anderem, die Details dieser Bezahlungen offenzulegen.
Klientenpflege bei KPMG
Die SEC ordnete an, dass sich innerhalb der nächsten 60 Tage ein Richter im Rahmen einer Anhörung mit dem Fall befassen und entscheiden solle, ob Sanktionen nötig seien. Ernst & Young in New York teilte am Dienstag mit, man sei überrascht und enttäuscht über das Vorgehen der SEC. Die Unabhängigkeit der Testate bei PeopleSoft sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Zugleich seien Geschäftskontakte wie die zu PeopleSoft vollkommen regelkonform, unproblematisch und in der Branche üblich.
Die Frage der Unabhängigkeit von Wirtschaftsprüfern steht im Mittelpunkt des Interesses, seitdem der Enron-Konzern Bankrott angemeldet hat. Im Zusammenhang damit wurden schwere Vorwürfe gegen Enrons Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen erhoben, der zugleich als Unternehmensberatung für Enron tätig war und unter anderem belastende Dokumente in großem Stil zerstört haben soll.
Schon im Januar hatte die SEC in einen Fall, der dem derzeitigen ähnelt, den Wirtschaftsprüfer KPMG verwarnt. Er soll laut SEC-Angaben 25 Millionen Dollar in einen Investmentfonds gesteckt haben, für den er gleichzeitig als Prüfer tätig war. KPMG akzeptierte die Maßregelung, musste aber keine Strafe zahlen.