BÖRSE »Erst mal einpendeln«
SPIEGEL: Die Premiere der Debitel-Aktie war enttäuschend. Was lief falsch?
Dreyer: Eigentlich nichts. Der Kurs muß sich nur erst einmal einpendeln.
SPIEGEL: Bei vielen Börseneinführungen der letzten Monate schossen die Kurse schon am ersten Tag in die Höhe.
Dreyer: Man kann die Debitel-Aktie nicht mit den Papieren am Neuen Markt vergleichen. Debitel ist der fünftgrößte Börsengang in Deutschland und wird im amtlichen Handel notiert.
SPIEGEL: Aber die Anleger hatten offenbar mit mehr gerechnet. Die Aktie war immerhin 14fach überzeichnet.
Dreyer: Natürlich versucht jeder, ein gutes Papier so billig wie möglich zu bekommen. Und unsere Aktie hat einen hohen Substanzwert, denn Debitel ist seit Jahren profitabel und praktisch schuldenfrei. Außerdem haben wir die Kundenzahl im vergangenen Jahr um 1,3 Millionen erhöht, das ist deutlich mehr als zum Beispiel der gesamte Kundenbestand von Mobilcom.
SPIEGEL: Doch Mobilcom hat Ihnen mit der geplanten Übernahme von Otelo vergangene Woche die Show gestohlen.
Dreyer: Über die Seriosität solcher Ankündigungen muß der Anleger entscheiden. Ich erinnere daran, daß Mobilcom auch mal Debitel kaufen wollte.
SPIEGEL: Ein Marketingfeuerwerk, wie es Mobilcom immer wieder entzündet, darf man von Ihnen nicht erwarten?
Dreyer: Auch wir denken intensiv über einige Akquisitionen im In- und Ausland nach. Aber wir werden den Kurs nicht mit halbgaren Ankündigungen puschen. Der Anleger muß uns eine Chance geben. Ich will nicht sagen: 100 Tage, aber vielleicht einige Wochen.