Erste Hilfe: Politiker reden den Euro hoch - DER SPIEGEL
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Erste Hilfe Politiker reden den Euro hoch

Der Euro ist im Keller, und Politiker aus ganz Europa sind bemüht, ihn wieder hochzureden. Die Opposition konzentriert sich hingegen darauf, Sündenbock Gerhard Schröder runterzureden.
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Berlin - Vielleicht haben die Politikerworte ja gewirkt: Nachdem der Euro am Morgen auf das Allzeittief von 0,8637 US-Dollar gefallen war, stieg er bis zum Nachmittag zumindest wieder über die 87-Cent-Marke: Er notierte bei 0,8719 Dollar.

Angesichts der nervösen Finanzmärkte betonten Politiker in ganz Europa, dass der Euro unterbewertet sei und die gute Wirtschaftslage des Euroraums nicht widerspiegele. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) telefonierte mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius und ließ danach verbreiten, man sei sich über das "Aufwertungspotenzial" des Euros einig.

Zugleich verlautete, dass die Finanzminister der Euro-Staaten am Freitag eine gemeinsame Erklärung zum Euro abgeben wollen. Darin soll unterstrichen werden, dass die derzeitige Euroschwäche nicht im Einklang mit der fundamentalen Stärke der EU-Wirtschaft stehe.

Auch die EU-Kommission stimmte in den Chor ein. "Das gegenwärtige Kursniveau ist nicht angemessen und wir erwarten, dass sich das ändert und der Euro sich erholt", sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel. Er verwies auf das Wachstum in der Eurozone, das im ersten Halbjahr 2000 die Erwartungen deutlich übertroffen hatte. Insgesamt werde die Euro-Wirtschaft dieses Jahr um mindestens 3,4 Prozent wachsen.

"Milchmädchenökonomie": Opposition knöpft sich Schröder vor

Die deutschen Oppositionspolitiker waren nicht auf Stützung, sondern auf Demontage aus. Ziel der Angriffe: Der Bundeskanzler, der gesagt hatte, dass ihm der schwache Euro Freude statt Sorge bereite. Experten machen Schröder teilweise dafür verantwortlich, dass der Euro in den letzten Tagen abgerutscht ist.

"Schröder verspielt mutwillig das internationale Vertrauen in den Euro", sagte CDU-Wirtschaftsexperte Friedhelm Ost. FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle schlug in die gleiche Kerbe: "Der Kanzler redet den Euro weich". Schröders Freude über die florierende Exportwirtschaft sei kurzsichtig. "Die Devisenmärkte werden durch eine solche Milchmädchenökonomie verschreckt", sagte Brüderle. Schröder verhalte sich "ähnlich leichtfertig" wie einst Altbundeskanzler Schmidt, dessen Gelassenheit angesichts hoher Inflationsraten zu Massenarbeitslosigkeit geführt habe.

Auch der Präsident des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels (BGA), Michael Fuchs, kritisierte Schröder heftig. Dem Euro wäre "weitaus mehr gedient, wenn die Bundesregierung weniger reden und mehr handeln würde. Die Zuversicht in den Reformwillen und damit in einen kräftigen und nachhaltigen Aufschwung geht zunehmend verloren. Die Finanzmärkte haben hierfür ein feines Gespür", sagte Fuchs.