Erstnotiz der Postbank "Börsengang war zu holprig"
Frankfurt am Main - Post-Chef Klaus Zumwinkel und Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann hatten ihre Siegerposen gut geübt. Sie hoben die Daumen, sie beglückwünschten sich wie erfolgreiche Fußballer. "Ende gut und wirklich alles gut", sagte Zumwinkel. "Das macht mich zuversichtlich für die Zukunft", sagte Schimmelmann.
Nach zahlreichen Pannen und Ärgernissen mit Konsortialbanken und unwilligen Investoren war es heute geschafft: Die Postbank-Aktie startete an der Börse, und das sogar mit einem kleinen Gewinn. Weil der Ausgabepreis mit 28,50 Euro je Aktie am unteren Ende der in letzter Minute gesenkten Angebotsspanne lag, konnten sich Anleger am ersten Handelstag über Kursgewinne freuen. Bis zum Mittwochnachmittag legte die Aktie der größten deutschen Filialbank bei sehr hohen Handelsumsätzen fast zwei Prozent auf rund 29 Euro zu. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft ist nicht ganz so euphorisch wie die beiden Post-Manager. Seiner Ansicht könnte das Beispiel Postbank sogar abschreckend wirken. "Die große Welle wird nicht kommen - dafür war der Börsengang zu holprig", sagte er. Fünf bis sechs Emissionen bis zum Jahresende hält er dennoch für möglich.
"Von Euphorie kann nicht gesprochen werden. Bis Jahresende dürften vielleicht fünf weitere Firmen den Gang an die Börse wagen", schätzt Volker Fitzner, IPO-Experte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers. Wegen des bevorstehenden Sommerlochs wird seiner Meinung nach vor September keine weitere Erstnotiz auf der Kurstafel der Börse auftauchen.
Die Post erlöst mit den verkauften Aktien rund 1,55 Milliarden Euro. Mit den Einnahmen will Zumwinkel die Schulden des Konzern reduzieren und die internationale Expansion vorantreiben. Ziel des Post-Chefs ist es, bis Ende 2005 zur Nummer eins der weltweiten Logistik aufzusteigen. Zumwinkel deutete im Börsensaal außerdem indirekt an, dass sich der Konzern langfristig von der Mehrheit an der Postbank trennen könnte. "Wir wären schlechte Kaufleute, wenn wir in den nächsten Jahren nicht alle Optionen erwägen würden", sagte er. Später relativierte die Post diese Aussage: Man werde auch in Zukunft die Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie an der Postbank halten.
An der Börse wird die Postbank nun mit rund 4,7 Milliarden Euro bewertet. Zumwinkel hatte den Wert seiner Banktochter vor einigen Monaten noch auf mindestens sechs Milliarden Euro beziffert. In den Büchern der Post steht die - gemessen an der Marktkapitalisierung - viertgrößte deutsche Bank mit 4,88 Milliarden Euro. Wer der Postbank beim Gang an die Börse folgen wird, ist bisher noch unklar. "Wenn sich noch ein günstiges Zeitfenster in diesem Jahr öffnet, ist ein Börsengang möglich", sagte ein Sprecher der Werkstattkette Autoteile Unger, die im Mai ihren Börsengang kurz vor Beginn der Zeichnungsfrist abgesagt hatte. Das zum Reisekonzern TUI gehörende Schifffahrtsunternehmen Hapag-Lloyd plant für Herbst ein Listing. Außerdem könnten noch die Betreibergesellschaft der Autobahntankstellen Tank & Rast, der Finanzdienstleister Venturion und der Telekommuninkationsanbieter Tenovis den Sprung an die Börse wagen.