Einzelhandel »Es wird gespart, auch bei Kindern«
Stefan Genth
Foto: Pool / Getty ImagesSPIEGEL: Herr Genth, wie ist das Weihnachtsgeschäft 2022 gelaufen?
Genth: Es lässt noch Luft nach oben. Die Verkäufe in den Innenstädten haben die ganze Adventszeit hindurch kaum Fahrt aufgenommen, es fehlte der Höhepunkt. Ich hoffe, dass zwischen den Jahren noch etwas passiert: Geld und Gutscheine sind die beliebtesten Geschenke. Die wollen umgesetzt werden.
SPIEGEL: Wo fehlte die Nachfrage?
Genth: Bei allem, was groß und teuer ist. Möbel und Küchen. Auch Unterhaltungselektronik kämpft. Die brauchen ständig Innovation und Neuheiten. Da gab es einfach wenig.
Die Stunde null des Universums
Das neue »James Webb«-Teleskop liefert spektakuläre Fotos des frühen Weltraums. Astronomen dringen in jene Ära vor, in der Sterne und Galaxien entstanden, aber auch die Stoffe, aus denen das Leben ist. Es regt sich ein unheimlicher Verdacht: Ging alles, was ist, aus schwarzen Löchern hervor?
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SPIEGEL: Was ist mit Mode?
Genth: Die niedrigen Temperaturen haben den Verkauf von Winterbekleidung etwas angekurbelt. Insgesamt ist Mode gerade sehr schwierig. Aber der Sportbereich läuft phänomenal gegen den Trend und hat enorm an Stellenwert gewonnen.
SPIEGEL: Beim Spielzeug wird geknausert. Ein Fünftel der Eltern will den Kindern weniger schenken, 18 Prozent gar überhaupt nichts.
Genth: Die Unsicherheit ist enorm. Es wird insgesamt gespart, auch bei den Kindern. Das Einkaufsverhalten hat sich spürbar verändert.
SPIEGEL: Die von Ihnen prophezeite Insolvenzwelle ist jedoch ausgeblieben.
Genth: Der Einzelhandel stirbt leise. Da werden die Geschäfte einfach abgeschlossen, das taucht in keiner Insolvenzstatistik auf. Wir haben seit 2019 über 40.000 Standorte verloren. Normalerweise sehen wir so 5000 Geschäftsaufgaben pro Jahr. 2022 waren es allein 16.000. Das ist schon eine extreme Entwicklung.